Standards für Prävention und Intervention

SOS-Kinderschutzkonzept

Video: Ziele des Kinderschutzes. Gaby Obereicher, SOS-Beratungszentrum Kinderschutz Saarbrücken

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Video: Ziele des Kinderschutzes. Gaby Obereicher, SOS-Beratungszentrum Kinderschutz Saarbrücken

"Die größte Herausforderung für Fachkräfte ist es, den Wunsch der Kinder zu erfüllen: Ich will meine Eltern, ich will meine Familie behalten, aber ich möchte auch keine Gewalt mehr erleiden." So beschreibt Gaby Obereicher die Anforderungen an die Jugendhilfe, wenn es darum geht, das Kindeswohl und den Kinderschutz sicherzustellen. Das SOS-Beratungszentrum Kinderschutz Saarbrücken ist täglich mit gewaltbelasteten Familien und dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung befasst. In ihrer Funktion als Bereichsleiterin unterstützt Gaby Obereicher ihr Team darin, das Kinderschutzkonzept des Trägers SOS-Kinderdorf e.V. in die Praxis umzusetzen und den betroffenen Kindern, Jugendlichen und ihren Familien zur Seite zu stehen. Den präventiven Ansatz des Schutzkonzeptes vermitteln die Kolleginnen und Kollegen insbesondere in Projekten zur Vorbeugung von sexualisierter Gewalt an Schulen und in einer Fortbildungsreihe zur Prävention von sexualisierter Gewalt in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.

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Das Kinderschutzkonzept des SOS-Kinderdorf e.V. bezieht sich auf unterschiedliche Ebenen von Gefährdung: Es nimmt Gewalt, sexuellen Missbrauch und Vernachlässigung in den Blick, die im familiären und außerfamiliären Umfeld geschehen und von Erwachsenen ausgehen, aber auch Übergriffe von Kindern und Jugendlichen untereinander. Und es beugt der Gefahr von Grenzüberschreitungen durch Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe vor.

Standards, Handlungsleitlinien und Verfahrenswege

Kinderschutz bei SOS-Kinderdorf ist mehrdimensional angelegt. Auf der organisationalen Ebene bestehen verbindliche Standards, Verfahrenswege und Handlungsleitlinien. Sie geben den Fachkräften Orientierung und Handlungssicherheit im Umgang mit Grenzverletzungen und dem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Basierend auf dem Bundeskinderschutzgesetz gibt das SOS-Kinderschutzkonzept vor, welche Schritte erforderlich sind, um im Verdachtsfall zu einer fundierten Gefährdungseinschätzung zu kommen und den Schutz der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen. Alle Beobachtungen und Warnsignale werden frühzeitig dokumentiert. Jeder Verdachtsfall wird in einer kollegialen Beratung reflektiert und Vorgesetzte werden informiert. Zur Einschätzung des Gefährdungsrisikos wird eine „insoweit erfahrene Fachkraft“ (§ 8a SGB VIII) hinzugezogen. Wenn die Sorgeberechtigten ein Gespräch ablehnen oder wenn die Schutzmaßnahmen nicht ausreichen, wird das Jugendamt informiert und einbezogen.

Prävention

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Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf sind aufgefordert, innerhalb ihres Verantwortungsbereichs Strukturen und Arbeitsbedingungen zu schaffen, die einen grenzwahrenden Umgang mit Schutzbefohlenen gewährleisten. Den Rahmen hierfür geben pädagogische Standards, Risikoanalysen sowie die Verankerung des Themas in allen Handlungsfeldern des Vereins. Qualifizierungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen wie die Tagung "Umgang mit Überforderung und Grenzüberschreitungen" fördern die Reflexion, Sensibilisierung und Handlungssicherheit der Fachkräfte im Bereich Kinderschutz.

Präventiv im Sinne des Kinderschutzes  entwickeln die Einrichtungen von SOS-Kinderdorf Beschwerdeverfahren, benennen externe Ansprechpartnerinnen und -partner und setzen Beteiligungsmentoren ein. Zur Stärkung der Kinderrechte und zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen veranstaltet der SOS-Kinderdorfverein regelmäßig Kinder- und Jugendkonferenzen. Auf diesen Veranstaltungen kommen Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus allen Einrichtungen des SOS-Kinderdorfvereins zusammen, um sich in kreativer Weise mit Kinderrechten auseinanderzusetzen und auf allen Ebenen des Vereins eine beteiligungsorientierte Kultur zu befördern. Einen vergrößern Orientierungsrahmen für die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in den SOS-Einrichtungen vermitteln die Leitlinien des SOS-Kinderdorf e.V. mit Rahmenvorgabe zur Beteiligung . Sie sind zugleich ein wesentlicher Bestandteil des vereinsweiten Kinderschutzkonzeptes.

Der SOS-Kinderdorfverein hat das Thema Kinderschutz in seinen arbeitsvertraglichen Regelungen verankert und achtet auf eine entsprechende Grundhaltung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Fachliche Position des SOS-Kinderdorf e.V.

Die Umsetzung des Schutzauftrags wird bei SOS-Kinderdorf von folgenden Prinzipien geleitet:

  • einer Kultur des Hinschauens,
  • einer Kultur des (An)Sprechens,
  • einer Kultur der Reflexion,
  • einer Haltung, die Überforderungen ernstnimmt und nach Lösungen sucht,
  • Sachlichkeit und Fachlichkeit im Umgang mit Fehlverhalten und
  • einer Organisationsstruktur, die klare Zuständigkeiten und Verfahrensabläufe als Interventionsrahmen festlegt.

Transparenz durch eine interne Melde- und Monitoringstelle

Als Teil seines Beschwerdemanagements hat der SOS-Kinderdorf e.V. eine interne Meldestelle für die trägerweite Aufnahme und Bearbeitung von Unrechtsfällen und Grenzüberschreitungen geschaffen. Jeweils eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter aus den Fachbereichen Personal und Pädagogik stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. An diese können sich Betroffene sowohl bei aktuellen Vorfällen als auch in Bezug auf Vorkommnisse aus der Vergangenheit wenden.

Die interne Melde- und Monitoringstelle (iMMst) berät und unterstützt SOS-Einrichtungen bei der Gefährdungseinschätzung in Verdachtsfällen, beim Aufarbeiten von Unrechtshandlungen, bei Grenzüberschreitungen und bei Beschwerden. Sie dokumentiert die vereinsweiten Meldungen und leitet ggf. weiterführende Schritte ein. Sollten Unrechtshandlungen oder kindeswohlgefährdende Grenzüberschreitungen festgestellt werden oder ein ernster Verdacht auftreten, ist die entsprechende Einrichtung verpflichtet, unmittelbar die interne Meldestelle zu informieren.

Dokumente zum Download:

Grundsatzpapier des SOS-Kinderdorf e.V. zum Kinderschutz
Leitlinien des SOS-Kinderdorf e.V. mit Rahmenvorgabe zur Beteiligung

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© SOS-Kinderdorf e.V.