„Gemeinsam etwas Großes auf die Beine stellen“

Aufbau einer neuen SOS-Einrichtung

Kirsten Spiewack leitet das SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit nicht nur – sie hat es von der ersten Stunde an mit aufgebaut. In einem Interview gibt die Sozialpädagogin Einblicke in die Gestaltungsspielräume und ihren Arbeitsalltag. Außerdem verrät Kirsten Spiewack, was sie 2001 davon überzeugt hat, bei SOS-Kinderdorf einzusteigen.

Frau Spiewack, Sie leiten mit dem SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit heute eine sehr große Einrichtung. Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang bei SOS-Kinderdorf?

Ich habe bei SOS-Kinderdorf die einzigartige Möglichkeit bekommen, eine neue Einrichtung aufzubauen ... und zwar in einem sozial stark belasteten Bezirk in Berlin – also direkt dort, vergrößern wo Hilfe und Unterstützung besonders nötig sind. Von der Bedarfsanalyse bis zur Konzeption haben wir Schritt für Schritt eine auf den Sozialraum orientierte Einrichtung entwickelt und die verschiedenen ineinander greifenden Angebote aufgebaut, die das Kinderdorf Berlin-Moabit heute zu einem großen Netzwerk an Hilfen machen.Als neue Einrichtung in einem Bezirk, in dem ca. 27 verschiedene Nationen zusammen leben, war es von Anfang an eine große Chance, unsere Teams multikulturell zu besetzen. Heute arbeiten auch im Kinderdorf Berlin-Moabit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vieler verschiedener Nationalitäten. Wir konnten alles dem Bedarf entsprechend aufbauen und ausstatten, eine einmalige Chance! Mit drei Mitarbeiterinnen sind wir gestartet, jetzt sind wir über neunzig.

Welche Chancen und Möglichkeiten haben sich Ihnen bei SOS-Kinderdorf geboten?

Ich konnte von Anfang an mit einem sehr großen Vertrauensvorsprung arbeiten und wurde von der Geschäftsführung und von vielen Kolleginnen und Kollegen mit Rat und Tat kompetent beim Aufbau der Einrichtung unterstützt.SOS-Kinderdorf war es wichtig, Angebote zu entwickeln, die die Menschen vor Ort auch wirklich erreichen. Dabei war es durchaus auch gewünscht, Angebote umzusetzen, für die es im Stadtteil einen großen Bedarf gibt, die aber nur teilweise oder gar nicht finanziert werden. Mit dem Aufbau der Einrichtung kamen Bereiche dazu, mit denen ich mich vorher noch nicht beschäftigt hatte – da war es sehr spannend und herausfordernd, sich in diese Aufgabenstellungen einzuarbeiten und sie dann zu begleiten. Hilfreich war dabei sicherlich, dass es bei SOS-Kinderdorf bereits eine große Vielfalt gab, an der ich mich orientieren konnte.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Inzwischen bin ich hauptsächlich mit übergeordneten Managementaufgaben beschäftigt. Ich plane den Einrichtungsetat, den ich jährlich mit der Vereinsführung abstimme. Daneben verhandle ich die Leistungs- und Entgeltvereinbarungen mit den öffentlichen Trägern, ermittle weitere Fördergelder und akquiriere Spenden.Inhaltlich begleite ich die Weiterentwicklung unserer pädagogischen Konzepte und bin sehr eingebunden in die regionale und überregionale Vernetzungsarbeit, aber auch viel in den Gremien unseres Bezirks unterwegs. Neben der Öffentlichkeitsarbeit und der Lobbyarbeit für den Verein und seine Aufgaben ist die Mitarbeiterführung in einer Einrichtung unserer Größe ein wesentlicher Schwerpunkt meiner Arbeit. Dabei kommt es mir vor allem darauf an, für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den richtigen Platz zu finden, denn nur dort können sie wirklich gute Arbeit leisten. Wichtig ist mir, die Mitarbeiter immer wieder neu für ihre Aufgaben zu begeistern.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?

Einen ganz typischen Arbeitstag gibt es eigentlich nicht, vielmehr muss ich jeden Tag sehen, wer welche Anliegen hat und die Beantwortung dieser Anliegen koordinieren. Sehr regelmäßig nehme ich an vielen Besprechungen und Arbeitsgruppen teil, sei es hausintern oder auch in der Senatsverwaltung oder beim Bezirk. Bei Treffen unseres Dachverbands, dem DPWV, ist es mir ein Anliegen, daran mitzuwirken, die Bedingungen der Jugendhilfe möglichst zu verbessern. Im Kontext der Öffentlichkeitsarbeit und der Mitarbeitergewinnung führen wir Informationsveranstaltungen für interessierte oder werdende Fachkräfte durch, aber auch für Menschen, die sich ehrenamtlich für SOS-Kinderdorf engagieren oder für das Kinderdorf spenden möchten. Da SOS-Kinderdorf weltweit tätig ist, besuchen uns immer wieder Delegationen aus dem Ausland und möchten sich über unsere Konzepte und unsere Arbeit informieren. Der Austausch mit Menschen aus anderen Kulturkreisen ist für meine Mitarbeiter und mich immer eine Bereicherung.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht SOS-Kinderdorf als Arbeitgeber aus?

Ich finde es beeindruckend, dass SOS-Kinderdorf ein so großes Unterstützungsnetzwerk hat. Im Verein und unter Kollegen, aber auch Spender, Stifter etc. – alle halten zusammen, um gemeinsam etwas Großes auf die Beine zu stellen.Wir bieten unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aber auch gute und faire Arbeitsbedingungen. Die Angebote des Vereins verändern sich immer wieder bedarfsorientiert. Die Mitarbeiter können sich auf internen und externen Weiterbildungsveranstaltungen sowie auf SOS-internen Vernetzungsveranstaltungen fortbilden, sich austauschen und sich dabei fachlich wie auch persönlich weiterentwickeln.Sehr schön ist, dass der Verein bereit ist, auch Eigenmittel einzusetzen, um sinnvolle, aber nicht öffentlich finanzierte Angebote umsetzen zu können. Das ermöglicht uns einen etwas größeren Handlungsspielraum und trägt dazu bei, wirklich gute Arbeitsergebnisse zu erzielen, die geeignet sind, die Situation der von uns unterstützen Menschen tatsächlich zu verbessern. Das ist sehr motivierend für alle und trägt ungemein zur Arbeitszufriedenheit des Einzelnen bei.

Warum haben Sie sich damals für SOS-Kinderdorf entschieden?

Eine solche Gelegenheit bietet sich nicht oft im Leben. Es war und ist immer noch eine tolle Möglichkeit, eine sinnvolle und am Bedarf ausgerichtete Jugendhilfeeinrichtung aufbauen zu können. Ich mache das jetzt seit 11 Jahren und mache es immer noch sehr gerne. Der Reiz ging anfangs tatsächlich von der Aufgabe aus, ich habe aber sehr schnell zu schätzen gelernt, dass es bei SOS-Kinderdorf um gemeinsames Lernen und neue Wege geht, was die Arbeit sehr reizvoll macht.

Was würden Sie anderen Sozialpädagogen/-innen mit auf den Weg geben, die sich für eine Tätigkeit bei SOS-Kinderdorf interessieren?

vergrößern Nutzen Sie die Chance, bei SOS-Kinderdorf einzusteigen. Selten bekommt man so viel inhaltliche und kollegiale Unterstützung wie hier, wenn man sich engagieren möchte. Bezogen auf unsere Einrichtung ist besonders die Interkulturalität des Kinderdorfs Berlin-Moabit eine große Bereicherung für alle.   
 
 

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