Berufseinsteiger in den stationären Hilfen zur Erziehung beim Start begleiten

„Wir unterstützen junge Kolleginnen und Kollegen dabei, schwierige Situationen in der Pädagogik gut zu bewältigen“

Berufseinstieg in der stationären Kinder- und Jugendhilfe

Jeder Praxiseinstieg ist für Fachkräfte damit verbunden, einen Platz im Team und in der Organisation zu finden. Fachwissen soll in die pädagogische Praxis übertragen werden, eigene Positionen wollen entwickelt werden. Man erwartet von den neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie möglichst schnell professionell und eigenverantwortlich handeln. In der stationären Betreuung kommen durch Schicht- und Einzeldienste weitere Herausforderungen hinzu. Damit die Berufseinsteigerinnen und -einsteiger diese Anforderungen beim „Sprung in das kalte Wasser“ gut bewältigen können, hat der SOS-Kinderdorf e.V. ein Qualifizierungsprogramm entwickelt. Dieses Programm richtet sich an Quereinsteiger sowie an junge Kolleginnen und Kollegen, die weniger als zwei Jahre einschlägige Berufserfahrung mitbringen. Der Verein reagiert damit auf einen steigenden Bedarf, der unter anderem durch Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Fachkräftemarkt verursacht wird.

Vorbereitung auf die Tätigkeit in der stationären Kinder- und Jugendhilfe

Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorf e.V. Dr. Birgit Lambertz © SOS-Kinderdorf e.V. Geschäftsführerin Dr. Birgit Lambertz vergrößern

„Es ist eine große Herausforderung, im stationären Bereich mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, die eine schwierige Vorgeschichte, häufig auch traumatische Erfahrungen mitbringen. Das ist für junge Menschen nicht leicht, zumal sie auf die spezifischen Anforderungen der stationären Hilfen mit einer breitgefächerten Ausbildung oft nur wenig vorbereitet werden,“ sagt Dr. Birgit Lambertz, Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorf e.V. „Die pädagogische Ausbildung hat oft den Anspruch, auf unterschiedliche Einsatzfelder vorzubereiten. In den letzten Jahren hat sich daher an vielen Fach- und Hochschulen die Breite der Qualifizierung durchgesetzt, weniger die Spezialisierung auf ausgewählte Bereiche. So haben die jungen Fachkräfte zwar eine sehr gute Basis, benötigen aber für den Einsatz in bestimmten Arbeitsfeldern eine zusätzliche Qualifizierung, die wir ihnen gerne bieten möchten. […] Man sollte grundsätzlich nicht erwarten, dass Menschen, die am Berufsbeginn stehen, schon perfekt und fertig sind, sondern sie als Menschen sehen, die viel Wissen und Engagement mitbringen, die aber auch einen guten Rahmen und Halt brauchen, um wichtige Erfahrungen in der Praxis machen zu können.“

Entwicklungen auf dem Ausbildungs- und Fachkräftemarkt

In den stationären Hilfen sind die Fachkräfte intensiv gefordert durch lange Arbeitszeiten im Schichtdienst und die pädagogische Arbeit mit hoch belasteten jungen Menschen. Allerdings bieten nur wenige Fachschulen den Schwerpunkt Heimerziehung an. Bedingt durch den verstärkten Ausbau der Kindertagesstätten legen viele Ausbildungsinstitute und Hochschulen den Fokus heute vermehrt auf die pädagogische Arbeit mit 0- bis 6-Jährigen.

Die Wertschätzung und der gesellschaftliche Stellenwert der Kindertagesbetreuung sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Sie ist daher für Erzieherinnen und Erzieher zu einer erstrebenswerten Alternative zur Heimerziehung geworden. Diese Entwicklung hat auch die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) in einem Positionspapier aufgezeigt und sozialen Trägern unter anderem eine gezielte Begleitung der Berufseinmündungsphase empfohlen.

Neue Mitarbeiterinnen im SOS-Kinderdorf e.V. © SOS-Kinderdorf e.V. - Neue Mitarbeiterinnen vergrößern

Eine weitere Schwierigkeit für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe im Bestreben, geeignete Fachkräfte zu gewinnen, ist die Verkürzung der Ausbildungszeiten in den Bachelor-Studiengängen. Damit geht auch ein deutlicher Rückgang von Praxisanteilen einher. Den Wegfall des Anerkennungspraktikums bei den Fachhochschulabsolventen bedauert Dr. Birgit Lambertz besonders: „Das war eine ganz dezidierte Zeit des Lernens, mit vielen Möglichkeiten, Erfahrungen zu machen und Sicherheit zu gewinnen. Heute sollen viele Berufsanfänger sehr früh die volle Verantwortung übernehmen, ohne dass sie einen solchen Entwicklungsraum zugestanden bekommen.“

Orientierung und Halt beim Berufseinstieg in der stationären Jugendhilfe

Der SOS-Kinderdorf e.V. begegnet diesen Entwicklungen, indem er mit seinem Einsteigerprogramm Orientierung gibt, Handwerkszeug für die pädagogische Arbeit in den stationären Angeboten bereitstellt und Raum für Austausch und Reflexion schafft. Er verfolgt damit das Ziel, die jungen Fachkräfte im ersten Jahr ihrer Tätigkeit so zu fördern, dass sie sich langfristig, professionell und motiviert in das komplexe Arbeitsfeld der stationären Kinder- und Jugendhilfe einbringen können.

„Wir möchten die neuen Kolleginnen und Kollegen im stationären Bereich unterstützen, damit sie einen guten Einstieg erleben. Uns ist es wichtig, dass sie die Sicherheit gewinnen, schwierige Situationen, die in der Pädagogik immer wieder auftreten, gut bewältigen zu können“, so bringt Dr. Lambertz das Anliegen des Vereins auf den Punkt. „Ich wünsche mir, dass sie sich als aktiv handelnd und gestaltend erleben können und Zufriedenheit ziehen können aus dem, was sie tun.“

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