Torsten Rebbe und Stefan Woywode über ihre Erfahrungen aus dem Führungspotential-Entwicklungsprogramm (FPEP)

„Das Programm hat mich beim Wechsel in die Führungsrolle sehr unterstützt“

2. Jahrgang FPEP

„Du nimmst aus diesem Programm unheimlich viel Wissen mit, das du nachher in deiner Führungsposition gebrauchen kannst. Ich habe sehr davon profitiert, von den Inhalten und auch von dem Netzwerk, das dort entstanden ist. Es ist einfach Gold wert, von und mit anderen zu lernen, die in einer ähnlichen Situation sind – eine ständige kollegiale Beratung.“ Torsten Rebbe war Teilnehmer im ersten Durchgang des Führungspotential-Entwicklungsprogramms (FPEP) von SOS-Kinderdorf. Noch während des Programms wurde er Einrichtungsleiter des SOS-Hilfeverbunds Hamburg. 

Der direkte Rollenwechsel vom Mitarbeiter zum Einrichtungsleiter ist natürlich eine Besonderheit. Doch viele Absolventen des Programms bekommen tatsächlich die Chance, eine Führungsrolle zu übernehmen. So auch Stefan Woywode, der am zweiten Durchgang teilgenommen hat und mittlerweile Bereichsleiter im SOS-Hilfeverbund Hamburg ist: „Ich hatte einen großen Nutzen von dem Programm. Ich finde, man erfährt in diesen eineinhalb Jahren sehr viel über sich selbst. Man wird sich seiner Stärken und Schwächen bewusst und lernt, damit umzugehen. Für mich war es auch eine Art Testphase: Will ich diesen Weg gehen, ist eine Führungsposition das Richtige für mich?“ Diese Frage konnte Woywode im Programm für sich klären. Seine Empfehlung an künftige Teilnehmer ist, sehr ehrlich mit sich selbst zu sein. 

Anforderungen an die neue Rolle „Leitung“ 

Leitung bedeutet, dass man die Gesamtverantwortung für die Einrichtung trägt und alle pädagogischen, personellen und finanziellen Entscheidungen trifft, sagt Torsten Rebbe. „Als Leiter steuere ich die Arbeitsprozesse innerhalb der Einrichtung von der Etatplanung über strategische Entscheidungen bis hin zur Weiterentwicklung des Angebotsspektrums, abgestimmt auf den Bedarf vor Ort. Dazu gehören Verhandlungen mit dem Jugendamt, die Steuerung der Auslastung, Qualitätsstandards in der pädagogischen Arbeit genauso wie Öffentlichkeitsarbeit und die Pflege von Netzwerken. Das ist ein großer bunter Strauß. Und das ist es auch, was ich total liebe an dieser Aufgabe! Im Programm FPEP habe ich hilfreiches Handwerkszeug bekommen, um diesen großen Verantwortungsbereich zielgerichtet zu steuern.“

Umgang mit dem großen Ganzen

Stefan Woywode © SOS-Kinderdorf e.V. – Stefan Woywode vergrößern „Man will Führungsverantwortung übernehmen, um auch das Große und Ganze stärker im Blick zu haben. Und plötzlich ist die Leitungsaufgabe doch komplexer, als man sie sich vorgestellt hat“, ergänzt Stefan Woywode. Für ihn war damit auch die Herausforderung verbunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut zu führen, Teamkonflikte zu lösen, einzelne Mitarbeiter zu schützen und zugleich die andere Konfliktpartei wertschätzend zu behandeln. 

Hoher Grad an Reflexion

Die beiden Pädagogen haben die Erfahrung gemacht, dass der Austausch in der Peergroup sehr dazu beiträgt, ihr Verhalten in der neuen Rolle gut zu reflektieren: „Ganz wichtig ist der bewusste Umgang mit dem eigenen Führungshandeln in der Einrichtung: Was löse ich bei den anderen aus, wie sind deren Reaktionen auf ein bestimmtes Verhalten und wie gehe ich damit professionell um?“ 

Dieser Aspekt ist für Torsten Rebbe und Stefan Woywode besonders wichtig, zumal sie beide aus dem Kollegenkreis in Führungspositionen aufgestiegen sind. „Wenn dieser Wechsel in der eigenen Einrichtung geschieht, bringt das Besonderheiten mit sich. Man löst sich aus dem alten Team, man rückt näher an die Leitung heran, bleibt in der Übergangsphase aber immer in einer Zwitterposition: nicht mehr Teammitglied, aber auch noch nicht offiziell als Führungskraft ernannt“, so Torsten Rebbe über den Funktionswechsel. 

Herausforderungen beim Start in die Leitungsfunktion

Torsten Rebbe vergrößern Rebbe befand sich in als kommissarischer Leiter in einer eher untypischen Situation, da er in der Einrichtung sehr schnell die Gesamtverantwortung übernehmen musste, ohne die Unterstützung durch eine vorgesetzte Führungskraft. „Ich bin in viele Prozesse unmittelbar hineingesprungen… Die Tätigkeit war von Anfang an mit einer hohen Geschwindigkeit verbunden“, erinnert sich Rebbe. „Gerade in meiner Anfangsphase waren die Impulse aus den Programm-Bausteinen daher unheimlich wichtig: Selbstmanagement, Selbstfürsorge, Change Management, wirtschaftliches Denken und Handeln etc. Davon habe ich sehr profitiert.“ 

Sich in der Führungsrolle ausprobieren – ohne die Gesamtverantwortung zu tragen

Stefan Woywode hat das Programm dann zwei Jahre später unter günstigeren Umständen erlebt: „Durch Torsten Rebbe habe ich mich sehr unterstützt gefühlt und konnte mich mit ihm zu allem austauschen. Ich konnte eine Projektleitung übernehmen, ohne gleich die Gesamtverantwortung tragen zu müssen. Schon früh war ich über vieles informiert, in viele Themen eingebunden: Etatplanung, erste Mitarbeitergespräche, der Aufbau des Familienzentrums – das war ein gutes Testfeld für mich.“ Nicht zuletzt durch seine eigene Erfahrung mit dem Führungskräfteprogramm waren Rebbe viele Fragen seines Kollegen vertraut. 

Kollegiale Beratung in der Peergroup erleichtert den Rollenwechsel 

Im Laufe des FPEP entstand in jeder der beiden Gruppen, die das Programm bisher durchlaufen haben, eine große Vertrautheit. „Es ist sehr wertvoll, sich auf Leitungsebene in einem vereinsweiten Netzwerk beraten zu können. Denn mit den Mitarbeitern vor Ort tauscht man sich über manche Dinge einfach nicht mehr aus“, so Woywode. Rückhalt und Intensität entstanden auch dadurch, dass eine Referentin der Personalentwicklung das Programm zwei Jahre lang begleitete – von der Auswahl bis zum Abschluss. Auf diese Weise entstand schnell eine Vertrauensbasis; man konnte an den bekannten Fallbeispielen und Erfahrungen der Einzelnen immer wieder anknüpfen. 

Große Wertschätzung schon im Auswahlverfahren 

Torsten Rebbe vergrößern „Schon der Auswahlprozess, das Potentialinterview hat mich sehr beeindruckt“, bekräftigt der Diplompädagoge. „Ich habe einen Fragebogen ausgefüllt und war einen halben Tag lang im Interview. Daraufhin wurde ein Persönlichkeitsprofil erstellt, und die Analyse war sehr treffsicher. Mir hat das eine große Selbsterkenntnis gebracht, eine gute Basis, um in das Programm zu starten.“

Eine wesentliche Erkenntnis aus Sicht der Absolventen war auch, dass es bei Führungsfragen nicht um ein Richtig oder Falsch geht, sondern um die individuelle Art, mit Herausforderungen umzugehen. „Es gibt nicht den einen perfekten Führungsstil, sondern jede und jeder muss in einem bestimmten Rahmen seinen eigenen Stil finden und auf die eigene Art und Weise gut führen.“ 

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