Eine Erzieherin in der Jugendarbeit des BZ Prignitz berichtet

„Die Entscheidung liegt bei Dir“ – ein Berufsorientierungsprojekt

Das Projekt „Die Entscheidung liegt bei Dir“ wurde vom SOS-Beratungszentrum Prignitz mit dem Ziel ins Leben gerufen, Schüler einer Schule mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „Lernen“ auf dem Weg ins Berufsleben zu begleiten. Die Erzieherin Doreen Bachul erzählt von ihren Erfahrungen mit den Jugendlichen und davon, wie wichtig es ist, ihnen Möglichkeiten zu geben, sich auszuprobieren und sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken.

„Die Entscheidung liegt bei Dir“ – ein Berufsorientierungsprojekt im Rahmen des Programms „Stärken vor Ort“

Täglich stehen wir vor Situationen, in denen wir uns entscheiden müssen und die Entscheidung unser weiteres Leben bestimmt. Diese Zukunftsentscheidungen fallen umso schwerer, wenn sie von Jugendlichen gefällt werden müssen, die sich im direkten Übergang von der schulischen zur beruflichen Ausbildung befinden und dabei konfrontiert werden mit Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Von Jugendlichen, die Defizite in den Schlüsselqualifikationen zeigen, deren soziale Kompetenzen mangelhaft sind und die Leistungseinschränkungen aufweisen.

Was gedanklich schnell und leicht zusammen gefügt wird, ist im Alltag mit Konflikten und Dilemmata verbunden. Wie kann ich gleichzeitig für die Schule lernen, wenn ich doch mit Freunden abhängen will? Warum soll ich mich wirklich anstrengen, wenn es später schwierig sein wird, einen Ausbildungsplatz zu bekommen? Was bringt ein Job, wenn man auch von Hartz IV leben kann? Die Werteorientierung ist bei vielen Jugendlichen nicht stabil, sondern wird pragmatisch dem jeweiligen unmittelbaren Nutzen und den damit verbunden „Kosten“ angepasst.

Mein Anliegen mit diesem Projekt war es, die Schüler der Schule mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt „Lernen“ auf dem Weg ins Berufsleben zu begleiten und zu unterstützen, ihnen Möglichkeiten zu geben sich auszuprobieren und sie in ihrer Persönlichkeit zu stärken.

Die Schüler der 9. Klasse nahmen einmal wöchentlich an einer sozialen Lerneinheit teil, die von einem Dozenten begleitet wurde. Unter Einbeziehung des Mediums Trommel wurde an der Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen gearbeitet. Das Bewusstmachen von eigenen Stärken, Interessen und Neigungen war ebenfalls Bestandteil dieser Einheiten.

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In diesem Projekt integriert waren drei Kurse zum Thema „Das 1x1 der Tischmanieren“. Gemeinsam mit den Jugendlichen ging es nach Lenzen auf die Burg. Dort erfuhren sie, wie ein festlich gedeckter Tisch hergerichtet wird, lernten Servietten falten, die Grundlagen der Anordnung von Gläsern, Besteck und Tellern und natürlich auch das Verhalten bei Tisch. Ziel dieser Kurse war es, den Jugendlichen das Berufsfeld Gastgewerbe näher zu bringen und ihre hauswirtschaftlichen und sozialen Fähigkeiten zu stärken. Die gelernte Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis stellten die Jugendlichen dann zwei Wochen später unter Beweis. Unter dem Motto „Hättest Du gedacht, dass ich kochen kann?“ luden sie ihre Eltern ein und zauberten ihnen ein festliches Menü.

Innerhalb dieses Projektes bereiteten sich die Schüler der 10. Klasse intensiv auf ihr Praktikum vor. So wurden aussagekräftige Bewerbungen geschrieben, Online-Recherchen über künftige Praktikumsbetriebe durchgeführt und das Erstgespräch mit dem Arbeitgeber im Rollenspiel geübt. Erfreulich für mich, dass alle Schüler in ansässigen Betrieben ihr Praktikum absolvieren konnten. In den Reflexionsrunden mit den Schülern und aus Gesprächen mit den Praxisanleitern gab es überwiegend positive Rückmeldungen. Dank der guten Kooperation zwischen Schule und Firmen werden alle Teilnehmer erstmals einmal wöchentlich zum Praxislernen in einen Betrieb gehen.

Doreen Bachul, Erzieherin im JJJ-Sozialraumteam (Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und erzieherischer Kinder- und Jugendschutz) des SOS-Beratungszentrums Prignitz. Neben der Beantragung und Durchführung von speziell geförderten Projekten umfasst das Aufgabengebiet von Frau Bachul weitere Handlungsfelder entsprechend der JJJ-Konzeption des Landkreises Prignitz. Sie ist in der offenen Treffpunktarbeit, der offenen und sozialpädagogisch orientierten Gruppenarbeit sowie der Beratung der Jugendlichen tätig und bietet ihnen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme und Begegnung. Sie organisiert Aktivitäten und erlebnisorientierte Projekte und unterstützt die Jugendlichen in der gezielten Bearbeitung von Problemen und Konflikten. Sie gestaltet die Begleitung von ehrenamtlich Tätigen und engagiert sich in der Öffentlichkeits- und Fachöffentlichkeitsarbeit des Beratungszentrums.

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