Freiwilliges Soziales Jahr – ein Erfahrungsbericht

Voneinander lernen: „Hand in Hand“ im Mehrgenerationenhaus

Ein Jahr zwischen Altenservice und Jugendarbeit, zwischen berührenden Momenten, lehrreichen Augenblicken und generationenübergreifendem Spaß ... ein Jahr voller Erfahrungen, Erlebnissen und Erkenntnissen – Miriam Müller blickt zurück auf ihr FSJ im Mehrgenerationenhaus des SOS-Mütterzentrums Salzgitter.

Mein freiwilliges soziales Jahr habe ich im Mehrgenerationenhaus in Salzgitter gemacht. Ich erinnere mich gern daran, weil es eine sehr schöne Zeit war, in der ich viele Freundschaften schließen konnte und weil ich heute immer wieder auf meine dort gemachten Erfahrungen im sozialen Bereich zurückgreifen kann.

Während meines FSJ konnte ich die verschiedenen Bereiche des SOS-Mütterzentrums durchlaufen. Unter anderem war ich einige Monate in der Tagesbetreuung des Altenservice und einige auch im SchülerInnen-Club, dem offenen Kinder- und Jugendbereich. Weil mir beide Bereiche gut gefallen haben und unter einem Dach waren, boten sich viele Gelegenheiten, beides zu kombinieren: Singen mit Senioren und Kindern, ein gemeinsamer Ausflug ins Tierheim, miteinander Kochen und vor allem das Beisammensitzen und Erzählen sind nur einige Beispiele für Aktionen, die Jung und Alt zusammen unternommen haben.

Die für mich lehrreichste Erfahrung und schönste Erinnerung war die 1:1-Betreuung eines an Demenz erkrankten Mannes. Er führte zuvor ein sehr aktives Leben, war sportlich, gesellig und ein toller Ehemann, Vater und Großvater – wie ich aus Gesprächen mit seiner Frau erfuhr, die mit seiner Betreuung alleine überfordert war. Besonders traurig machte es mich, dass viele Bekannte sich nach der Diagnose von ihm abwandten. Froh machte mich, dass dieser Mann trotz seiner Krankheit nicht allzu viel an Unternehmungslust und trockenem Witz verloren hatte. Es fiel mir zunächst schwer, mit ihm ins Gespräch zu kommen, weil ich nicht einschätzen konnte, an was er sich noch erinnern konnte und was er leider nicht mehr wusste.

Nach einigen Wochen entwickelten wir aber ein sehr gutes Verhältnis. Er konnte mir viel aus seiner Kindheit und Jugend berichten und wir gingen oft spazieren oder Eis essen. Zu unseren Ausflügen kam manchmal ein kleiner Junge mit, der, solange seine Mutter arbeitete, betreut werden musste. Und auch wenn der Mann sich nicht immer an den Namen des Jungen erinnern konnte, erkannte er wohl sich selbst als kleinen Jungen in ihm wieder. Anfangs erzählten sie sich nur von Streichen und Unsinn, den sie schon unternommen hatten, später wurde ich Ziel dieser Streiche: Ich drehte mich einen Moment um und weg waren sie – soviel zum Thema Versteckspielen im Wald. Wir spielten viel gemeinsam draußen, mal alte Spiele, mal neuere. Die beiden brachten sich gegenseitig und auch mir viele Tricks und Kniffe bei. Und obwohl der Mann oftmals nicht in der Lage war, mir zu erzählen, was er am Wochenende unternommen hatte ... die gemeinsamen Ausflüge mit dem Jungen vergaß er nicht.

Aus dieser Erfahrung weiß ich nicht nur, wie wichtig die soziale Arbeit ist, sondern auch, wie wichtig die generationenübergreifende Arbeit ist. Mein Resümee aus dem FSJ im Mütterzentrum ist, dass es irgendwo immer einen gemeinsamen Nenner gibt – zwischen Jung und Alt, zwischen krank und gesund, zwischen Frau und Mann, von Mitarbeiterin zu Mitarbeiterin und der lautet: Hand in Hand von Mensch zu Mensch!

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