Was macht der Mann einer SOS-Kinderdorfmutter?

Jörg Timkes Frau ist SOS-Kinderdorfmutter

Früh aufstehen: um 4.30 Uhr klingelt der Wecker bei Jörg Timke. Schon eine halbe Stunde später sitzt er im Auto auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle in Lübeck. Eine Stunde Fahrzeit, aber die lohnt sich. Seine Arbeit als Industriemechaniker in einer großen Lübecker Firma macht Jörg Timke Spaß und bietet ihm zeitliche Flexibilität.
Durch den frühen Arbeitsbeginn kann er oft schon am Nachmittag wieder im SOS-Kinderdorf Lütjenburg sein, bei seiner Frau Anja und seinen Kindern.

Seine Kinder, das sind zwei Zwillingspäarchen, die seit sieben Jahren mit Anja im Haus Nr. 5 im SOS-Kinderdorf Lütjenburg leben. Ihre älteste Schwester Ruth, 21, ist schon vor einiger Zeit ausgezogen und auch die beiden älteren Zwillinge sind, mittlerweile 18, auf dem Absprung in die Selbstständigkeit. Vor zwei Jahren kam noch der heute 9-jährige Luca dazu. Und dann gibt es da noch Ole Jerk, einen 2-jährigen Wirbelwind, der durchs Haus tobt. Er ist der leibliche Sohn vom Ehepaar Timke und „wohl das einzige Einzelkind mit sechs Geschwistern“, wie es Jörg Timke ausdrückt.Ist es schwierig für ihn, neben dem eigenen Sohn auch noch mit Pflegekindern unter einem Dach zu wohnen? Nein, denn „zum Vater wird man, wenn die Kinder Papa zu einem sagen.“ Und um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen, nennt er die Großen „meine Kinder“ und Ole Jerk „meinen Stammhalter“. Damit sind die Verhältnisse für Jörg Timke hinreichend geklärt.

„Wieso sollte mir das etwas aus machen?“

Als Anja und Jörg sich kennenlernten, überlegte die damals 5-fache Kinderdorfmutter lange, wie sie ihren Beruf ihrem neuen Freund beibringen sollte. „Ich pass auf Kinder auf“ und „ich wohne mit ihnen zusammen“, waren ihre ersten vorsichtigen Andeutungen. „Ach, so wie im SOS-Kinderdorf?“ war Jörg Timkes Antwort. Über einen Verwandten, der für die SOS-Kinderdörfer in Indien arbeitete, war er mit der Arbeit des Vereins vertraut. Dass es allerdings auch in Lütjenburg ein SOS-Kinderdorf gibt, war ihm bis dahin unbekannt.

Behutsam bereiteten die beiden die Kinder darauf vor, dass es nun einen Mann ihn Mamas Leben gab. Als Jörg dann tagsüber zu den ersten Besuchen kam, dauerte es nicht lange und er gehörte „zum Inventar“. Endlich wer zum Fußballspielen und Zuhören! Es dauerte nicht lange und die Kinder nannten ihn Papi, denn „wenn Anja unsere Mami ist, bist du unser Papi“, so ihre logische Erklärung.
Ein Jahr später wurde Jörg Timke durch eine rauschende Hochzeitsfeier im Kinderdorf offiziell zu Anjas Mann und im September 2008 kam Ole Jerk zur Welt.

Einkaufen und Kochen – eine Selbstverständlichkeit

Natürlich geht Jörg Timke öfters einkaufen – bei einer sechsköpfigen Familie muss man das schließlich ziemlich oft! Er kocht auch gerne, allerdings manchmal „etwas zu experimentell“ ergänzt Anja Timke lachend. Dann noch Tochter Sandra zum Fußballtraining fahren, Sohn Stefan vom Bahnhof abholen – damit dies alles versicherungstechnisch korrekt läuft, ist Jörg Timke auf Geringfügigkeitsbasis Angestellter des SOS-Kinderdorfes.
Schnell wurde er im Kinderdorf zum „Mann für alle Fälle“, zum Beispiel wenn im Nachbarhaus ein schwerer Schrank verrückt werden muss oder die Wege morgens schneefrei geschippt werden müssen. Er gehört einfach zur großen Gemeinschaft dazu und drückt es auf seine entspannte Art so aus: „Es passt!“

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