Ich habe den schönsten Beruf der Welt!

Marianne Liebscher ist Mutter im SOS-Kinderdorf Saar in Merzig

Eine Horde Kinder tobt durch den Garten: fünf Jungs im Alter von sechs bis zehn. Zwei davon klettern flink wie kleine Eichhörnchen auf ihren Lieblingsbaum. „Passt auf, da oben!“, ruft Marianne Liebscher den beiden hinterher.

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Die 44-Jährige ist Mutter im SOS-Kinderdorf Saar in Merzig. Ihre Jungs, die nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern bleiben konnten, haben hier ein neues Zuhause und eine Frau gefunden, die ihnen Geborgenheit und Wärme schenkt.

„Ich arbeitete 16 Jahre bei einer Bank, bis ich merkte, dass mein Leben nicht mehr ausgefüllt war, dass es Zeit für eine Veränderung war“, erinnert sich Marianne Liebscher. „Ich ließ mir Infos über SOS-Kinderdörfer schicken, und schon bald stand für mich fest: Ich will den Schritt in ein neues Leben, in eine neue berufliche Zukunft wagen!“

Bei einem Praktikum merkte sie schnell, dass sie die Arbeit mit Kindern glücklich machte. „Kein Kind ist wie das andere. Manche sind aggressiv, andere haben Sprachprobleme oder werden von Ängsten geplagt. Hier ist viel Einfühlungsvermögen, aber auch viel Geduld gefragt. Und genau das ist es, was mir an diesem Job so viel Freude bereitet. Wenn die Kinder Vertrauen gefasst haben, ist das der schönste Lohn“, erzählt die SOS-Kinderdorfmutter.

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„Meine eigene SOS-Kinderdorffamilie bekam ich vor fünf Jahren“, berichtet sie weiter, als plötzlich der 6-jährige Robie, das Nesthäkchen, angerannt kommt, um sich auf ihren Schoß zu setzen. Marianne drückt ihn fest an sich: „Er und seine Brüder Adi (9) und Andy (8) waren meine ersten Kinder. Andy, damals 4, sprach kaum und war wie seine Brüder in der Entwicklung zurückgeblieben. Die Jungs brauchten noch Windeln, waren sehr verängstigt und hingen an mir wie kleine Äffchen. Auch heute noch suchen die Kleinen meine Nähe, sie brauchen viel Geborgenheit und Zuneigung. Aber genau das macht mich glücklich. Marianne managt ihren kleinen Familienbetrieb mit viel Liebe – auch wenn das stressig ist: Ihr Tag beginnt, wenn die Kinder wach werden und endet erst, wenn alle im Bett liegen. Für die Hausarbeit hat die SOS-Kinderdorfmutter eine Haushaltshilfe als Unterstützung, nur das Schreiben der Entwicklungsberichte und Erziehungspläne ist allein ihr Aufgabenbereich.

Überfordert ist die engagierte Mutter trotzdem nie. „Die Kinder lassen mich jeden Stress vergessen. Ihnen zuzusehen, wie sie im Wald toben und sich an einem Stück Holz oder einem Stein erfreuen, ist Balsam für meine Seele. Wenn die Augen der Jungs leuchten, weiß ich, was wirklich zählt im Leben. Es ist schließlich ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn ich sie in meinem Arm halte und spüre, dass sie sich sicher fühlen.“

Quelle: Zeitschrift Lea und VPA

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