Freiwilliges Engagement

Anliegen von SOS-Kinderdorf

In den kommenden Jahrzehnten werden Gesellschaft und Politik einem wachsenden sozialen Problemdruck ausgesetzt sein. Drei Entwicklungen sind dabei besonders prägend: Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, das zunehmende Übergewicht an älteren Menschen und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft.

Diesem Druck wird die Gesellschaft nicht mehr allein durch die Ausdifferenzierung hoch professionalisierter sozialer Dienstleistungen begegnen können. Daher stellt sich die Frage, wie freiwillig Engagierte, Staat, Wirtschaft und soziale Organisationen bei der Lösung drängender gesellschaftlicher Aufgaben zusammenwirken können. Unter diesem Aspekt der Koproduktion geht es nicht nur um eine Vermehrung freiwilligen Engagements, sondern auch darum, entlang der Linien Haupt- und Ehrenamt, Professionalität und Laientätigkeit neue Lösungen und Arrangements zu schaffen.

Gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen

Für Träger der Kinder- und Jugendhilfe resultiert daraus die Anforderung, Menschen darin zu bestärken, sich freiwillig zu engagieren und dieses freiwillige Engagement durch die Bereitstellung entsprechender Strukturen zu fördern. Der SOS-Kinderdorfverein nimmt diese Herausforderung an, indem er sich aktiv mit den Möglichkeiten und Grenzen einer verstärkten Einbindung von freiwilligem Engagement in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern des Vereins auseinandersetzt. Er sensibilisiert Mitarbeitende für das Thema, benennt Verantwortliche für die Aufgaben des Freiwilligenmanagements und sorgt für die entsprechende Qualifizierung seiner Fachkräfte. Darüber hinaus schafft SOS-Kinderdorf Rahmenbedingungen, die eine orientierende Grundlage für die Zusammenarbeit mit freiwillig Engagierten darstellen.

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Die Haltung, freiwilliges Engagement als wesentlichen „Koproduzenten“ für die Lösung anstehender Aufgaben in der Sozialen Arbeit zu begreifen, entwickelt sich ausgehend von Mütter-, Familien- und Beratungszentren im offenen Angebotsbereich vieler SOS-Einrichtungen, insbesondere an sozial belasteten Standorten. Die SOS-Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser verfügen über langjährige, praktische Erfahrungen in der Zusammenarbeit von hauptamtlich und freiwillig Mitarbeitenden. Sie liefern Best-Practice-Modelle dafür, welche Strukturen, Haltungen und Fachkompetenzen in einer Einrichtung notwendig sind, um das sinnvolle Zusammenwirken von Hauptamtlichen und freiwillig Engagierten zu gestalten.

Begriffe und Definitionen

Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, freiwilliges Engagement, bürgerschaftliches Engagement – oft werden diese Begriffe synonym genutzt. Die unterschiedlichen Begriffe stehen zum einen für diverse Traditionen, in denen sie entstanden sind, zum anderen für unterschiedliche Kontexte, in denen sie verwendet werden.

Das Ehrenamt hat in Deutschland eine lange Tradition und bezeichnete ursprünglich die unentgeltliche Tätigkeit von Ehrenmännern und -frauen, die als ausgewählte Honoratioren eine öffentliche Aufgabe übertragen bekamen. Heute wird der Begriff Ehrenamt in erster Linie dann gebraucht, wenn er ein echtes Amt und eine Funktion bezeichnet, wie beispielsweise in einem Vorstand, einem Gremium oder einem Verband. Das Ehrenamt ist auf Kontinuität ausgerichtet und Ausdruck altruistischen Handelns in bestimmten Werte- und Milieutraditionen.

Die Freiwilligenarbeit bezeichnet das „neue Ehrenamt“, das sich durch veränderte Motivationen wie Selbstbezug und Selbstverwirklichung auszeichnet. Im Gegensatz zum traditionellen Ehrenamt ist die freiwillige Mitarbeit temporär und setzt eine biografische Passung voraus.

Freiwilliges Engagement gilt oft als der modernere Begriff und bezeichnet das unentgeltliche, gemeinwohlbezogene Engagement in selbstorganisierten Initiativen, Aktionsgruppen und Projekten. Die Art des Engagements kann sehr vielfältig sein: von anspruchsvollen Leitungstätigkeiten bis zum einfachen Mitmachen ist alles möglich.

Bürgerschaftliches Engagement als weiterer Begriff wurde geprägt im Kontext einer aktiven Bürgergesellschaft, in der die freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürger aktiv die Gesellschaft, den Staat und die Politik mitgestalten. Der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements hat sich in der Alltagssprache wenig durchgesetzt. Er wird aber häufig in der Fachliteratur und auch als Oberbegriff für die vielfältigen Engagementformen verwendet.

In Anlehnung an die Freiwilligencharta des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes versteht der SOS-Kinderdorf e.V. unter freiwilligem oder ehrenamtlichem Engagement die freiwillige, unbezahlte Tätigkeit außerhalb eines Anstellungsverhältnisses, die dazu beiträgt, die im Leitbild des SOS-Kinderdorfvereins verankerten Ziele zu verwirklichen.

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