Was bewegt Menschen, sich freiwillig zu engagieren?

Motivation von Freiwilligen

Soziales Engagement hat sich in den letzten Jahren vom traditionellen Ehrenamt hin zum freiwilligen bürgerschaftlichen Engagement gewandelt. Im Zuge dieser Entwicklung haben sich auch die Erwartungen und Motive der Freiwilligen verändert und die Formen des Engagements ausdifferenziert.

Nach den Erhebungen des Freiwilligensurveys des Bundesministeriums tragen freiwillig Engagierte neben der weiterhin entscheidenden Gemeinwohl- und Beziehungsorientierung zunehmend eigene Interessen und Problemlagen an das Engagement heran. Eine individuell gewichtete Mischung der klassischen Orientierungen des Ehrenamts „für andere sorgen“ und der Selbsthilfe „für sich sorgen“ liefert damit das Motiv, sich potentiell zusammen mit anderen zu engagieren. Mit ihrem Engagement wollen Freiwillige ihre Lebenswelt zum Nutzen aller gestalten, anderen helfen, sich aber auch persönlich entfalten. Bedeutsam ist zudem, dass freiwilliges Engagement von den Befragten nicht als pflichtgemäße Tätigkeit empfunden wird, sondern einen Ertrag an Wohlbefinden gewährt und Freude macht.

Was bewegt Menschen, sich freiwillig zu engagieren?

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Freiwilliges Engagement wird als sinnvolle und sinnstiftende Beschäftigung erlebt. Neben einem gemeinwohlbezogenen und einem selbstbezogenen Aspekt nennen die Freiwilligen als wichtigen Beweggrund auch den Aspekt der Geselligkeit. Für junge Menschen steht vor allem das Interesse, zusätzliche Kompetenzen zu erwerben, im Vordergrund, während ältere Freiwillige den Wunsch nach Mitgestaltung des gesellschaftlichen Umfeldes stärker betonen. Persönliche Anliegen der freiwillig Engagierten umfassen beispielsweise die Erweiterung der eigenen Kenntnisse und Qualifikationen oder der berufliche Nutzen des Engagements.

Im Freiwilligensurvey 2009 bildet sich deutlich ab, welchen hohen Stellenwert es für freiwillig Engagierte hat, persönliche Kompetenzen und Erfahrungen in die Arbeit einbringen zu können. Insbesondere den 46- bis 65-Jährigen ist es wichtig, nicht nur die eigenen Kenntnisse zu erweitern, sondern andere Menschen durch ihre Vorerfahrungen zu unterstützen.

Typen freiwillig Engagierter

Die Beratergruppe Ehrenamt Berlin unterscheidet zehn Typen freiwillig Engagierter:

  • Orientierungssuchende versprechen sich eine Neuordnung ihres Lebens
  • Qualifikationsorientierte erhoffen sich,
    – dass ihr Engagement sie beruflich weiterbringt
    – dass sie sich dadurch zusätzliches Wissen und Kompetenzen aneignen können
    – dass sie durch ihre Erfahrungen in der Organisation ihre Talente entfalten und Sinn erleben können
  • Anschlussmotivierte möchten Kontakte knüpfen und Gemeinschaft erleben
  • Kompensationsorientierte möchten Sinn und Struktur in ihrem Leben schaffen
  • Anerkennungsmotivierte wollen Anerkennung und Ansehen erreichen
  • Machtmotivierte möchten gestalten und entscheiden
  • Hilfemotivierte fühlen sich gut, wenn sie unterstützen und helfen können
  • Ökonomisch Motivierte erhoffen sich geldwerte Vorteile und sonstigen Nutzen wie Geschäftskontakte, etc.
  • Themen- und Ideologiemotivierte möchten für ein bestimmtes Thema/Projekt arbeiten, sich für eine Sache einsetzen
  • Traditionsmotivierte engagieren sich dort, wo sich z.B. ihre Eltern auch schon engagiert haben

Erwartungen der freiwillig Engagierten

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Die freiwillig Engagierten von heute knüpfen ihre Bereitschaft zum Engagement auch an verschiedene Bedingungen wie: verlässliche Ansprechpartner, Einführung und Begleitung, Mitbestimmung, Anerkennung, Weiterbildung, klare Aufgaben oder projektbezogenes Engagement, zeitliche Begrenzung, transparente und einfache Zugangsmöglichkeiten. Die Hauptbetätigungsform klassischen Ehrenamts eröffnete nur begrenzte Möglichkeiten der Selbstentfaltung und der Mitgestaltung.

Wollen soziale Organisationen freiwillig Engagierte gewinnen und das bestehende Potenzial nutzen, sollten Sie für eine stimmige Passung der Tätigkeit mit der Motivation und den Erwartungen der Freiwilligen sorgen. Die Herausforderung für Träger der Kinder- und Jugendhilfe besteht darin, diese veränderten Motive und Erwartungen in ihre Teilhabe- und Dienstleistungsprozesse zu integrieren und entsprechende Strukturen und Fachkompetenzen bereitzustellen.

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