Praxisforschung

Geschwisterlichkeit

Ein Dorf, ein Haus, eine Mutter und Geschwister: Auf diesen Grundprinzipien beruht die pädagogische Arbeit in den SOS-Kinderdörfern seit ihrer Gründung. Geschwisterlichkeit spielt im Selbstverständnis und im pädagogischen Alltag eine wichtige Rolle, denn die meisten der aufgenommenen Kinder leben zumindest phasenweise mit einem oder mehreren leiblichen Geschwistern im Kinderdorf. Schwestern und Brüder wohnen dabei

  • zusammen mit einer SOS-Kinderdorfmutter in einer Familie,
  • in verschiedenen Familien oder Wohngruppen des gleichen SOS-Kinderdorfes oder
  • alleine im SOS-Kinderdorf, während ihre Geschwister bei den leiblichen Eltern, in einer Pflegefamilie oder bereits selbstständig leben.

Außerdem teilen leibliche Geschwister ihr Zuhause im SOS-Kinderdorf meist mit anderen aufgenommenen Kindern und Jugendlichen, ihren sozialen Geschwistern.

Die jahrzehntelange Erfahrung in den SOS-Kinderdorffamilien hat gezeigt: Dynamiken zwischen Geschwistern prägen das Alltagsleben maßgeblich. Für die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es eine wichtige Aufgabe, Geschwister beim Gestalten ihrer Beziehungen zu unterstützen. Zu einer ausgewogenen Beziehung zu kommen, ist für die jungen Menschen oft ein intensiver Prozess. Denn die in der Regel sehr belasteten familiären Vorgeschichten prägen auch das Miteinander der Geschwister.

Geschwisterdynamiken – eine pädagogische Herausforderung

Bis heute gibt es in der Kinder- und Jugendhilfe wenig aufbereitetes Wissen zu den Dynamiken von Geschwisterbeziehungen. In der sozialpädagogischen Praxis sind die zuständigen Fachleute deshalb immer wieder unsicher in Bezug auf ihre Entscheidungen. Brauchen die Geschwister einander oder tun sie sich nicht gut? Oder stimmt beides? Wie können die Kinder dann angemessen unterstützt werden? Sind diese Fragen nicht beantwortet, entstehen leicht Situationen, die alle Beteiligten überfordern.

Forschungsschwerpunkt Geschwister

Das war der Anlass, sich intensiv mit der Situation von Geschwistern in der stationären Erziehungshilfe zu beschäftigen. Der deutsche SOS-Kinderdorf e.V. initiierte unter Federführung seines Sozialpädagogischen Instituts (SPI) den Forschungsschwerpunkt „Geschwisterkinder in der stationären Erziehungshilfe“.

Zwei Praxisforschungsprojekte zur Arbeit mit Geschwistern

In seinen Einrichtungen führte der SOS-Kinderdorf e.V. zwei Forschungsprojekte durch. Ihre Ergebnisse tragen dazu bei, Geschwisterkinder in ihren sozialen Bezügen besser zu verstehen und das Handeln der Fachkräfte zu unterstützen. Mehr über die beiden Projekte erfahren Sie auf diesen Seiten:

Zusammenspiel von Wissenschaft und Praxis

In beiden Forschungsprojekten haben die Wissenschaftler/-innen eng mit den Fachleuten in den SOS-Einrichtungen zusammengearbeitet: Sechs SOS-Kinderdörfer wirkten von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Präsentation der Ergebnisse mit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brachten ihre Erfahrungen ein und nutzten das Angebot, ihr fachliches Handeln zu reflektieren. Sie haben Anerkennung für ihre Arbeit erfahren und können  von ihrer gewachsenen Sicherheit profitieren, wenn sie künftig das Entwicklungspotenzial von Geschwistergruppen einschätzen sollen.

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