Klaus Wolf

Heimerziehung aus Kindersicht als Evaluationsstrategie

Beschreibung

Der allgemeine gesellschaftliche Veränderungsprozess vom Befehlen und Gehorchen hin zum Verhandeln hat auch zu veränderten Umgangsformen zwischen Kindern und Erziehenden geführt. Wie erleben Kinder heute die arrangierten Lebensbedingungen im Heim und wie nehmen sie eigene Gestaltungsmöglichkeiten wahr? Woran leiden Kinder in der Fremdunterbringung am meisten? Es sind vor allem die biografischen Brüche, negative Elternbilder, Zukunftsängste, Sanktionen und Zuwendungsentzug, die als Ursachen erkennbar werden.

Klaus Wolf kritisiert die vorherrschende Art der Hilfeplanung und Erfolgsmessung und plädiert dafür, die Sichtweise der Kinder genauer kennenzulernen und stärker in die Evaluation mit einzubeziehen. Er beschreibt die Schwierigkeiten, geeignete Gesprächssituationen in Ruhe und Angstfreiheit zu schaffen. Er verdeutlicht anhand von Interviews das große Mitteilungsbedürfnis von Kindern und Jugendlichen in der Fremdbetreuung. Vor allem zwei Wünsche werden dabei deutlich: Das Heim nicht als Ort der (Um-)Erziehung erfahren zu müssen, sondern als einen möglichst normalen Lebensort, und ihre Erzieher als “richtige Menschen mit besonderen Kompetenzen“ zu erleben.

Wolf empfiehlt (selbster-)forschende Gespräche als Methode der Selbstevaluation, bei der Kinder nicht zum Objekt gemacht werden, sondern Verständigung als professionelle Aufgabe gesehen wird. Mit ihr können mögliche Leidensursachen erkannt, praxisnahe Ziele abgeleitet und Erfolge kontrolliert werden.

Autoren

Prof. Dr. phil. Klaus Wolf

Jahrgang 1954, Diplomsozialpädagoge, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Siegen, Department Erziehungswissenschaft und Psychologie in der Fakultät Bildung, Architektur, Künste; zuvor Leiter einer Jugendhilfeeinrichtung in Hamburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Neubrandenburg und Professor für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Köln. Arbeitsschwerpunkte: Forschung zum Aufwachsen unter ungünstigen Bedingungen, insbesondere in hoch belasteten Familien, in Heimen und Pflegefamilien; Biografien und sozialpädagogische Interventionen; Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialpädagogik. (Stand der Veröffentlichung 2012)

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