Franz Hamburger

Migration und Jugendhilfe

Beschreibung

In der öffentlichen Diskussion hat die Definition von "Migranten als Problem“ alle anderen Erfahrungen und Betrachtungen überschattet. Dem zugrunde liegt die – teilweise irrige – Annahme, dass das “Leben zwischen zwei Kulturen“ eine enorme Belastung darstelle. Interkulturalität als pädagogisches Programm und interkulturelle Konzepte gehen infolgedessen häufig an den tatsächlichen Bedürfnissen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund vorbei.

Unter Einbettung des Themas in die Entwicklungsgeschichte und den definitorischen Kontext des Begriffes "Migration" plädiert Franz Hamburger engagiert für eine differenziertere Sichtweise. Er benennt unterschiedliche Aspekte von Integration und Assimilation, Struktur und Kultur sowie verschiedene Migrationstypen und -ursachen. Dabei stellt er die kritische Auseinandersetzung mit einseitigen, insbesondere auf Kulturunterschiede als Konfliktursachen abhebenden Vorstellungen in den Mittelpunkt der Untersuchung und kommt zu dem Ergebnis, dass nicht die in verschiedenen Kulturen entwickelten Identitäten das eigentliche Problem sind, sondern vielmehr der ungerechte Ausschluss von Teilhabe.

Für die Kinder- und Jugendhilfe bedeutet dies vor allem, dass sie sich mit Ausländerpolitik und -pädagogik auseinandersetzen muss, um eine interkulturelle Erziehung im Sinne von Anerkennung von und Respekt vor Differenz zu fördern.

Autoren

Prof. Dr. Franz Hamburger

Jahrgang 1946, Studium der Soziologie, Pädagogik und Philosophie in Heidelberg und Köln; seit 1978 Professor für Sozialpädagogik an der Universität Mainz; 1993 bis 1997 Ausländerbeauftragter an der Universität Mainz; Mitbegründer des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V. (ism); unter anderem Mitglied des Kuratoriums für das Kultur- und Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; unter anderem im Redaktionsbeirat der Zeitschrift Migration und Soziale Arbeit. Arbeitsschwerpunkte: Migration und Minderheiten, Hilfen zur Erziehung, Weiterentwicklung der präventiven, ambulanten und teilstationären Hilfen. (Stand der Veröffentlichung 2002)

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