Hanjo Sauer

Der Paradigmenwechsel im Verhältnis von Recht und Religion

Beschreibung

Obwohl die europäischen Rechtsstaaten sich der Tradition der Aufklärung verdanken, hat die heutige Rechtskultur in Europa doch viel ältere Wurzeln, die zum Teil bis in das Römische oder in das Kanonische Recht reichen. Hanjo Sauer führt sie einführend auf zwei historische Weichenstellungen zurück: auf die im Alten Testament auf Mose zurückgehende Gesetzgebung Israels und auf die Kritik Spinozas am Mosaischen Gesetz im siebzehnten Jahrhundert. Entlang dieser Beispiele stellt er dar, wie Recht und Religion jeweils in ein spezifisches Verhältnis zueinander treten, nämlich im Sinne einer Legitimation des Rechtes durch die Religion.

Von diesen geschichtlichen Betrachtungen ausgehend, diskutiert der Autor die gegenwärtige Situation hinsichtlich einer neu zu konzipierenden Verhältnisbestimmung von Recht und Religion in der pluralistischen Gesellschaft, die durch Privatisierung und Säkularisierung gekennzeichnet ist und in der der Staat selbst kein Bekenntnis mehr vertritt. Das Schicksal der modernen Bürgergesellschaft hängt heute demzufolge vielmehr davon ab, dass diese die moralischen und institutionellen Bedingungen des Zusammenhaltes ihrer Bürgerinnen und Bürger selbst erzeugt.

Autoren

Professor Dr. theol. Dr. theol. habil. Hanjo Sauer

Jahrgang 1944, Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, seit 1996 Vorsitzender des Verwaltungsrates des deutschen SOS-Kinderdorfvereins. Arbeitsschwerpunkte: Zweites Vatikanisches Konzil, Offenbarungsdiskurs der Neuzeit. (Stand der Veröffentlichung 2004)

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