Siegfried Willutzki

Das gemeinsame Sorgerecht in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Beschreibung

In einem Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Gesetzgebung zur elterlichen Sorge schildert Siegfried Willutzki, in welchen juristischen Schritten sich das Umdenken von der patriarchalischen Vormacht des Vaters hin zu einer Gleichberechtigung der Eltern vollzogen hat. Dabei geht er insbesondere auf die Diskussion vor und nach der Kindschaftsrechtsreform ein und erläutert ausführlich die jeweiligen gesetzlichen Regelungen nach Trennung und Scheidung der Eltern. Kenntnisreich erörtert er dabei zentrale Begriffe wie "Bindungstoleranz", "Kooperationsfähigkeit" und "Kooperationsbereitschaft". Anhand verschiedener konkreter Beispiele aus der jüngsten Rechtsprechung verdeutlicht der Autor das enorme Spannungspotenzial, das sich aus der Abgrenzung der juristischen Termini "Alltagssorge" und "Fragen von erheblicher Bedeutung" ergibt. Er plädiert entschieden dafür, den Umgang mit deren interpretatorischem Spielraum in der Praxis kritisch zu hinterfragen und neu zu diskutieren.

Überzeugend stellt der Autor dar, dass die vom Gesetzgeber mit der Kindschaftsrechtsreform vorgegebene Möglichkeit der gemeinsamen Sorge für die Kinder zunächst vor allem eine echte Chance darstellt, und appelliert an alle Parteien, sich darum zu bemühen, diese zu nutzen, um das Leben von Kindern nach Trennung und Scheidung ihrer Eltern positiv zu gestalten. Inwieweit diese Chance jedoch genutzt werden kann, wird nicht zuletzt auch davon abhängen, wie weit es der Beratung durch die Jugendhilfe gelingt, sie den Eltern entsprechend zu vermitteln.

Autoren

Prof. Siegfried Willutzki

Jahrgang 1933, Direktor des Amtsgerichts a. D., Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des Deutschen Familiengerichtstages, Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift „Kindschaftsrechtliche Praxis“, Honorarprofessor der Universität Chemnitz. Arbeitsschwerpunkte: Kindschafts- und Familienrecht in der ganzen Handlungsbreite. (Stand der Veröffentlichung 2004)

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