Simone Kreher

Sich anpassen und sich behaupten: Wie Kinder Fremduntergebrachtsein verarbeiten

Beschreibung

Aus sozialwissenschaftlicher Sicht stellt sich die Lebenswelt einer Kinderdorffamilie als künstlich geschaffenes, möglichst an einer gewachsenen Normalfamilie orientiertes Beziehungsnetzwerk dar − mit allen sie kennzeichnenden Widersprüchlichkeiten und Zerrissenheiten zwischen privatem und sozialem Raum. Was aber bedeutet es für ein Kind, in einer solchen Familie und eben nicht bei den leiblichen Eltern zu leben? Und wie empfinden und formulieren die Betroffenen rückblickend die Ambivalenzen des Aufwachsens in einer familienähnlichen Betreuungsform?

Diesen Fragen geht Simone Kreher anhand der Biografien ehemaliger Kinderdorfkinder nach. Sie versucht dabei, durch die Auswertung von Interviews und Genogrammen deren lebensgeschichtliche Erfahrungen zu rekonstruieren. Die Autorin schildert unterschiedliche Aspekte und Vorgehensweisen der biografischen Arbeit und veranschaulicht deren Orientierungsleistung für die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Dazu analysiert sie das biografische Material insbesondere im Hinblick darauf, was es über die Identitätskonstruktionen der im SOS-Kinderdorf aufgewachsenen jungen Erwachsenen aussagen kann.

Zwei Interviews mit ehemaligen Kinderdorfkindern dienen als Grundlage dieser Untersuchung. Sehr eindrücklich verdeutlichen die dargestellten Identitätskonstruktionen und Präsentationsweisen die ambivalenten Verarbeitungsprozesse des Aufwachsens an einem fremden Ort.

Autoren

Prof. Dr. Simone Kreher

Jahrgang 1961, Dr. phil., Studium der Soziologie an der Universität Leipzig; Professorin für Soziologie und Gesundheitssoziologie an der Fachhochschule Neubrandenburg, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Arbeitsschwerpunkte: Lebensverlaufs- und Biografieforschung, Familien- und Gesundheitssoziologie, qualitative Verfahren der empirischen Sozialforschung. (Stand der Veröffentlichung 2002)

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