Sven Petersen

Aufwachsen in einer Kinderdorffamilie

Beschreibung

Vorrangiges Ziel der familienanalogen Erziehung in einem Kinderdorf ist es, den Kindern einen sozialemotionalen Lebenshintergrund für lange Zeit zur Verfügung zu stellen. Welche Merkmale familiärer Systeme aber kennzeichnen eine Kinderdorffamilie? Wie wird mit auftretenden Widersprüchen umgegangen und was bedeuten diese für die betreuten Kinder und Jugendlichen?

Am Beispiel des Alltags des vierzehnjährigen René beschreibt Sven Petersen die familientypischen Eigenschaften sowie Aufgaben und Anforderungen einer SOS-Kinderdorffamilie. Er hebt hervor, dass es bei dieser Form des Zusammenlebens nicht um die Imitation von Strukturen realer Familien geht, sondern vielmehr um die Erfassung des Wesens und die Übernahme familialer Funktionen – sie versteht sich explizit nicht als familienersetzendes Setting. Vielmehr sind einzelne Merkmale familiärer Systeme in unterschiedlicher Ausprägung für die Kinderdorffamilie kennzeichnend. Der zugrunde liegende Kerngedanke ist, die emotionale Kontinuität und personale Verlässlichkeit zu gewährleisten, die für die nicht selten biografisch stark geschädigten Kinder und Jugendlichen und deren Alltags- und Lebensbewältigung von elementarer Bedeutung sind.

Der Autor betont, dass die emotionalen Beziehungen der Herkunftsfamilie und "die“ Familie nicht ersetzbar sind. Als Sozialisationsinstanz sind familienanaloge Betreuungsformen angesichts einer zunehmenden Erosion der Familienstrukturen jedoch durchaus geeignet und erfolgreich.

Autoren

Sven Petersen

Jahrgang 1968, Diplomsozialpädagoge; lebte sechs Jahre in einer Lebensgemeinschaft mit Kindern und Jugendlichen; derzeit Bereichsleiter für den Bereich »Kinderdorffamilien« im SOS-Kinderdorf Harksheide. (Stand der Veröffentlichung 2002)

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