Heiner Keupp

Selbstsorge und solidarisches Handeln: Die Zukunftsfähigkeit kommunitärer Projekte

Beschreibung

Die Bedeutung sozialer Netzwerke, wie sie mit Mütterzentren, Stadtteiltreffs oder Bürgerzentren geknüpft werden, ist in den vergangenen Jahren ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Gemeinsinn ist bei diesen Selbsthilfeinitiativen kein abstraktes Projekt, sondern er realisiert sich im Gebrauchswert für den Einzelnen – der wiederum in ihn investiert. Welche neuen Formen von sozialen Netzwerkbildungen lassen sich feststellen? Aus welchen Bedingungen heraus entstehen sie und was ist erforderlich, damit sie wachsen und sich weiterentwickeln können?

Am Beispiel von Initiativen wie Mütterzentren, Familienselbsthilfe oder dem Münchener "Treff und Tee" verdeutlicht Heiner Keupp, warum solche Ansätze eine neuartige Form der sozialen Vernetzung im Alltag darstellen. In ihnen entstehen wichtige Quellen alltäglicher sozialer Unterstützung, sei es bei Krankheit oder Krisen oder auch bei der praktischen Alltagsbewältigung. Gemeinsinn ist hier kein abstraktes Projekt mehr, sondern er realisiert sich im Gebrauchswert für den Einzelnen – der seinerseits wiederum in ihn investiert. Solche Zusammenschlüsse sind eine spezifische soziale Leistung, in die die Wünsche und Bedürfnisse der Einzelnen eingehen und wo die Gemeinschaft nach den eigenen Vorstellungen der Beteiligten geschaffen und gelebt wird. In solchen Projekten kommunitärer Selbstorganisation werden – so der Verfasser – zukunftsfähige Lösungen für eine "dramatisch sich wandelnde Welt" erprobt, da mit ihnen eine demokratische Alltagskultur entsteht, die das Zentrum der Zivilgesellschaft darstellt.

Autoren

Prof. Dr. phil. Heiner Keupp

Jahrgang 1943, Psychologe; von 1978 bis 2008 Professor für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Universität München und Gastprofessor an den Universitäten in Innsbruck und Bozen; Vorsitzender der Kommission für den Dreizehnten Kinder- und Jugendbericht. Arbeitsschwerpunkte: soziale Netzwerke, gemeindenahe Versorgung, Gesundheitsförderung, Jugendforschung, individuelle und kollektive Identitäten in der Reflexiven Moderne, Bürgerschaftliches Engagement. (Stand der Veröffentlichung 2010)

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