Heike Jockisch

Bereitschaftsfamilien als Kurzzeitpflegestellen für mißhandelte Kinder und Jugendliche

Beitrag aus SOS-Dialog 1996

Beschreibung

Das Familienhilfezentrum in Kaiserslautern ist die erste SOS-Beratungsstelle mit dem spezifischen Auftrag, seelisch, körperlich und/oder sexuell misshandelten Kindern, Jugendlichen und deren Angehörigen zu helfen. Der in dieser Einrichtung zugrunde gelegte Ansatz der Krisenintervention sieht auch vor, betroffene Kinder und Jugendliche im Notfall unverzüglich − vorübergehend − unterbringen zu können, um sie so vor weiteren Misshandlungen zu schützen. In solchen Fällen wird davon ausgegngen, dass diese Art der spontanen Fremdunterbringung dabei helfen kann, die häusliche Krise in der Herkunftsfamilie zu entschärfen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der weitere sinnvolle Maßnahmen und Hilfen geplant werden können. Aus vorrangig wirtschaftlichen Gründen fiel die Entscheidung im Familienhilfezentrum Kaiserslautern auf sogenannte Bereitschaftsfamilien. Für die Auswahl geeigneter Bereitschaftsfamilien, die in Fachkreisen durchaus als kritisch angesehen werden, wurden zunächst verschiedene Kriterien entwickelt und regelmäßig mit der Praxis abgeglichen. Seitens des Familienhilfezentrums wird eine enge Kooperation mit den Familien angestrebt. Nach erfolgter Auswahl unterziehen sich diese vor der Aufnahme eines Kindes verschiedenen Schulungen, in denen sie auf die Unterbringung, zu erwartende Probleme sowie Aufnahme und Verabschiedung der bei ihnen unterzubringenden Kinder vorbereitet werden. Für die betroffenen Kinder erwies sich diese Form der familienähnlichen Betreuung als sehr förderlich, sodass sie aus Sicht des Familienhilfezentrums nur befürwortet werden kann.

Autoren

Heike Jockisch

Jahrgang 1961, Diplompsychologin, Psychologische Psychotherapeutin, Abteilungsleiterin des Familienhilfezentrums der SOS-Kinder- und Jugendhilfen Kaiserslautern. Arbeitsschwerpunkte: Kinderschutz, insbesondere Prävention und Krisenintervention, Frühe Hilfen, Arbeit an den Schnittstellen zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe. (Stand der Veröffentlichung 2008)

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