Ria-Elisa Schrottmann

Ist Vorbeugen besser als Heilen? Kurzes Plädoyer für den Zweifel

Beitrag aus SOS-Dialog 1996

Beschreibung

Angesichts verkrusteter Strukturen, der Kostenexplosion im Gesundheitswesen und der Hilflosigkeit sozialpolitischer Interventionen gilt Prävention als ein Hoffnungsträger. Befürworter vertreten den Standpunkt, präventive Maßnahmen seien kostengünstiger als Heilen und dabei zugleich lösungsorientierter, weil man "das Kind gar nicht erst in den Brunnen fallen lasse". Doch Prävention erweist sich allzu oft auch als leeres Versprechen, denn manches Übel lässt sich nicht so einfach vermeiden. Kostspielige Präventionskampagnen und der Nutzen von aufwendigen pädagogischen Interventionen sollten demzufolge gründlich hinterfragt werden.

Ria-Elisa Schrottmann stellt zwei Strategien präventiven Handelns vor: die strukturbezogene und die auf dem Verursacherprinzip basierende, personenbezogene Prävention. Sie betont, dass keinesfalls die Möglichkeiten und Notwendigkeiten von Prävention als Maßnahmen zur Verhinderung menschlichen Leidens per se infrage gestellt werden sollten. Die Autorin plädiert jedoch dafür, nicht alle Lebensaspekte ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der Prävention zu betrachten, sondern sich vielmehr verstärkt für Werte einzusetzen, die unserem Zusammenleben eine bessere Lebensqualität ermöglichen.

Autoren

Ria-Elisa Schrottmann

Jahrgang 1958, Sozialwissenschaftlerin, leitet im Jugendamt des Kantons Zürich innerhalb der Abteilung Prävention und Sozialberatung die Zentralstelle Kleinkindberatung. Sie ist hier zuständig für die Unterstützung und Fortbildung der Mitarbeiterinnen in den elf Kontakt- und Beratungsstellen für Eltern mit kleinen Kindern. (Stand der Veröffentlichung 1996)

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