Johannes Münder

Im Sinne des Kindes oder im Sinne der Eltern

Beitrag aus SOS-Dialog 1998

Beschreibung

Im Jahr 1997 hat der Deutsche Bundestag umfassende Änderungen des bisherigen Kindschaftsrechts beschlossen, welche am 1. Juli 1998 in Kraft getreten sind. Welche Aspekte der Jugendhilfe sind in welcher Form betroffen und wie wirken sich die einzelnen Änderungen auf die Sozialpädagogik, die Arbeit der Jugendämter und die Träger der Kinder- und Jugendhilfe aus?

Johannes Münder untersucht die Auswirkungen der Reform des Kindschaftsrechts auf die jugendhilferechtliche Programmatik. Dabei legt er die inhaltlichen Leitlinien der Jugendhilfe zugrunde und stellt folgende Teilbereiche der neuen Gesetzgebung in den Mittelpunkt der Betrachtung: das Beistandsgesetz, das Recht der elterlichen Sorge − insbesondere bei nicht miteinander verheirateten Eltern im Falle der Trennung −, das Umgangsrecht der Elternteile, den zivilrechtlichen Kinderschutz und das Verfahrensrecht, vor allem die Einführung eines Verfahrenspflegers für das Kind.

Der Verfasser wägt die Vor- und Nachteile der einzelnen Gesetzesänderungen sorgfältig gegeneinander ab und weist auf weiterhin bestehende oder potenziell aus ihnen entstehende Konfliktmöglichkeiten hin. So plädiert er beispielsweise dafür, dass − um vorhersehbare Komplikationen zu vermeiden − das Jugendamt nicht selbst die Sozialleistung der Beistandschaft oder Verfahrenspflege erbringen sollte. Abschließend appelliert er an die Jugendhilfe, nicht weiter interessiert, aber untätig dabei zuzusehen, was auf dem Gebiet des Kindschaftsrechts geschieht, sondern sich vielmehr immer wieder engagiert in die Diskussion einzumischen.

Autoren

Prof. Dr. jur. Johannes Münder

Jahrgang 1944, Jurist, nach Tätigkeiten am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (Universität Bielefeld) Stationen beim Bundesministerium für Arbeit, an der Fachhochschule Wiesbaden und an der Pädagogischen Hochschule Berlin; von 1980 bis 2010 Professor an der Technischen Universität Berlin, Lehrstuhl für Sozialrecht und Zivilrecht, seit 1.4.2011 emeritiert; Vorstandsvorsitzender des SOS-Kinderdorf e.V. (Stand der Veröffentlichung 2012)

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