Burkhard Oelemann

Gewaltpädagogik mit männlichen Jugendlichen

Beitrag aus SOS-Dialog 1998

Beschreibung

In der psychosozialen Forschung wird noch heute großenteils über Menschen geforscht, ohne ihre Geschlechtsidentität zu benennen oder einzubeziehen. Von Kindern und Jugendlichen allgemein ist die Rede, obgleich damit nur ihre Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe genauer bezeichnet wird. Wenn im psychosozialen Bereich heutzutage Geschlechtlichkeit und damit die Geschlechterrolle thematisiert wird, dann fast ausnahmslos die von Mädchen und Frauen.

Burkhard Oelemann untersucht Aspekte der Jungensozialisation. Eindrücklich veranschaulicht er dabei, warum dieser Prozess als “Aufwachsen im Vakuum“ bezeichnet werden kann: Solange Väter vorrangig für die Existenzsicherung der Familie zuständig − das heißt die meiste Zeit nicht anwesend − sind und in Kindergärten und Grundschulen vor allem Erzieherinnen beschäftigt sind, werden Jungen keine Identifikationsangebote von Männern vorgelebt, ihnen fehlen reale Vorbilder, die Orientierung geben könnten. Die Abwesenheit von Männern meint aber nicht nur räumliches oder zeitliches Fehlen, entscheidend ist vor allem die Abwesenheit eines emotional spürbaren männlichen Gegenübers. Nähern sich Jungen in ihrem Verhalten aber dem Vorbild der Mutter oder anderer weiblicher Bezugspersonen an, kopieren sie also weibliches Verhalten, entsprechen sie nicht der Norm des “richtigen“ Jungen.

Der Verfasser schildert Erfahrungen aus der Beratungsarbeit mit gewalttätigen Jungen und nennt Kernthemen der Ausbildung von Männern aus dem psychosozialen Bereich in den Feldern Jungenarbeit und Gewaltpädagogik.

Autoren

Burkhard Oelemann

Jahrgang 1960, Kaufmann, Rundfunk-, Fernseh- und Buchautor, Diplom-Pädagoge und Psychotherapeut. Seit 1989 Mitarbeiter und Vorstand bei „Männer gegen Männer-Gewalt®“, Hamburg, seit 1993 gemeinsam mit Joachim Lempert Leitung des „Institut for male“ in Hamburg. Sachverständigentätigkeit für verschiedene Bundes-, Länder- und EU-Ministerien. (Stand der Veröffentlichung 1998)

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