Gisela Finke

Der Weg aus dem goldenen Käfig – zur Behandlung von jungen Frauen mit Essstörungen

Beitrag aus SOS-Dialog 2000

Beschreibung

Das vorherrschende weibliche Schönheitsideal postuliert heutzutage immer noch einen sehr schlanken Körper. Der daraus hervorgehende gesellschaftliche Druck auf junge Frauen und Mädchen wird in manchen Familien auf fatale Weise gedoppelt, wenn das Familienklima geprägt ist von überzogenen Leistungsvorstellungen, mangelndem Verständnis, Emotions- und Bedürfnisfeindlichkeit oder latenter Feindseligkeit. Junge Menschen mit Essstörungen entstammen häufig einem Familiensystem, das Jugendlichen die Entwicklung einer autonomen Identität verbietet und stattdessen Anpassung und Perfektion erwartet. Erkrankungen wie Magersucht und Bulimie werden heute als Reaktion auf solche Dynamiken verstanden, als Antwort auf die rigide Kontrolle primärer Bedürfnisse.

Gisela Finke gibt einen Überblick über die verschiedenen Formen und die psychosozialen wie familiendynamischen Hintergründe von Essstörungen bei jungen Frauen. Sie beschreibt unterschiedliche therapeutische Herangehensweisen und betont dabei die Bedeutung der Integration von stationärer und ambulanter Behandlung. Nach einem Klinikaufenthalt ist es für die Frauen und Mädchen oftmals entscheidend, nicht in ihr altes Familiensystem zurückzukehren, um alte Muster nicht zu wiederholen. Therapeutische Wohngruppen wie die der SOS-Jugendhilfen Bremen-Verden bieten eine geeignete Möglichkeit, die bestehende Versorgungslücke zwischen stationärer und ambulanter Therapie zu schließen und kontinuierliche, intensive Beziehungs- und Betreuungsarbeit zu gewährleisten.

Autoren

Gisela Finke

Jahrgang 1952, Diplom-Psychologin und Schriftstellerin. Mehrjährige Tätigkeit in psychiatrischen Kliniken. (Stand der Veröffentlichung 2000)

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