Simone Kreher und Wolfgang Sierwald

"Und dann bin ich ja ins Kinderdorf gekomm…" Biografisches Erzählen in Forschung und Sozialer Arbeit

Beitrag aus SOS-Dialog 2001

Beschreibung

Biografisches Erzählen stellt einen wichtigen Prozess in der Entwicklung einer biografischen Identität dar. Wenn Menschen über ihre Lebensgeschichte sprechen, konstruieren sie ihre Identität in der jeweiligen Situation und vermitteln sie zugleich einem anderen. Schon Kinder und Jugendliche versuchen, in einem aktiven Konstruktionsprozess ihrem Leben einen Sinn- und Bedeutungszusammenhang zu geben. Dabei benötigen sie Unterstützung, vor allem, wenn sich für sie zu starke Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten aus dem bisher Erlebten ergeben, und sie die unterschiedlichen Bestandteile ihrer Biografie nicht integrieren können. Biografische Erzählungen sind auch für die Kinder- und Jugendhilfe von großer Relevanz, die in ihnen enthaltenen Potenziale können für die sozialpädagogische Diagnostik und Alltagspraxis einen wertvollen Beitrag zum Fallverstehen leisten. In Diagnostik, Hilfeplanung und Evaluation und insbesondere in der Alltagsgestaltung kommt daher biografischen Ansätzen ein hoher Stellenwert zu.

Die Autoren geben am Beispiel des Pilotprojektes "Familie, Heim, Heimfamilie – eine Sozialisation mit Folgen" mit jungen Erwachsenen, die zeitweise in SOS-Kinderdorffamilien gelebt haben, einen Einblick in die biografischen Forschungen und die Arbeit mit Biografien im Alltag.

Autoren

Prof. Dr. Simone Kreher

Jahrgang 1961, Dr. phil., Studium der Soziologie an der Universität Leipzig; Professorin für Soziologie und Gesundheitssoziologie an der Fachhochschule Neubrandenburg, Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit. Arbeitsschwerpunkte: Lebensverlaufs- und Biografieforschung, Familien- und Gesundheitssoziologie, qualitative Verfahren der empirischen Sozialforschung. (Stand der Veröffentlichung 2002)

Dr. phil. Wolfgang Sierwald

Jahrgang 1958, Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sozialpädagogischen Institut im SOS-Kinderdorf e.V., zuvor tätig in Lehre und familienpsychologischer und pädagogisch-psychologischer Forschung. Arbeitsschwerpunkte: Praxisforschung in der Kinder- und Jugendhilfe und interne Datenanalysen, Forschungsprojekte im Bereich Kinderdorffamilien, zur Beteiligung im Heimalltag und zur Hilfeplanung in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Mitarbeit an der internationalen Katamnesestudie „Tracking Footprints“. (Stand der Veröffentlichung 2008)

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