Thomas Rau und Gabriele Vierzigmann

Auf dem Weg zu einem neuen Stadtteil - Der SOS-Gemeinwesentreffpunkt in der Schalthaussiedlung in Merzig

Beitrag aus SOS-Dialog 2002

Beschreibung

Die Schalthaussiedlung der Kleinstadt Merzig hatte lange den Ruf eines "sozialen Brennpunktes“. In ihr leben um die dreihundertfünfzig sozial benachteiligte Menschen, darunter an die siebzig Kinder und Jugendliche und zahlreiche ehemalige Obdachlose, in sehr schwierigen Verhältnissen. Im Jahr 1996 übernahm SOS-Kinderdorf e.V. die Trägerschaft für einen neu einzurichtenden Gemeindewesentreffpunkt.

Die Autoren stellen die Siedlung vor und berichten über die dortigen Veränderungen nach der Einrichtung des Treffpunktes. Sie erzählen von den Erfahrungen der Mitarbeiter mit bestehenden Problemen, von großer Armut und beruflicher Perspektivlosigkeit. Zugleich aber auch von den informellen Netzen etwa zwischen den Müttern der Siedlung, von spontaner Hilfsbereitschaft in Notlagen und den Selbsthilfekräften, die es zu fördern und an die es anzuknüpfen galt.

Ziel des Treffpunktes war es, vor allem die Situation der Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Zunächst organisierte das Treffpunktteam eine Schülerhilfe und Freizeitangebote für die Zeit nach der Schule. Nach anfänglicher Skepsis wurde vor allem den berufstätigen Müttern die für sie mit diesen Initiativen verbundene Entlastung deutlich. Mit der Zeit wuchs schließlich auch das Selbstbewusstsein der Menschen in der Schalthaussiedlung. Es entwickelten sich erste Formen der Selbstorganisation: Man gründete eine regelmäßige Frauengruppe und wählte − unter großer Wahlbeteiligung − eine Bewohnervertretung. Durch Impulse, die von dem Treffpunktprojekt ausgingen, begannen die Siedlungsbewohner, sich für die Durchsetzung gemeinsamer Interessen starkzumachen und sich aktiv für die Verbesserung der Lebensverhältnisse in ihrem Stadtteil einzusetzen.

Autoren

Thomas Rau

Jahrgang 1955, Pädagoge M. A. und Mediator, seit 1985 Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Saar. Zehn Jahre unterstützte und begleitete er als Pädagogischer Mitarbeiter Kinderdorffamilien; von 1996 bis 2000 hat er zusammen mit drei Kolleginnen die Arbeit im Gemeinwesentreffpunkt in der Merziger Schalthaussiedlung aufgebaut, war anschließend für ein Jahr Leiter des Bereiches „Gemeinwesen und Familienhilfe“ und ist seit April 2001 Gesamtleiter des SOS-Kinderdorfes Saar. (Stand der Veröffentlichung 2002)

Dr. phil. Gabriele Vierzigmann

Jahrgang 1958, Diplompsychologin; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sozialpädagogischen Institut im SOS-Kinderdorf e.V.; verantwortlich für den Aufgabenschwerpunkt Fachpublikationen; langjährig tätig in der Familienforschung und Familienberatung. (Stand der Veröffentlichung 2003)

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