Monika Weber

Mädchenarbeit im Wandel

Beitrag aus SOS-Dialog 2002

Beschreibung

In den vergangenen dreißig Jahren haben sich die Möglichkeiten einer selbstbestimmten Lebensgestaltung − insbesondere für junge Frauen − stark verändert, und Geschlechterverhältnisse haben sich inzwischen weitgehend ausdifferenziert. Kann also überhaupt noch von einer durchgängigen Benachteiligung aller Mädchen und Frauen die Rede sein? Da sich die Strukturkategorie "Geschlecht" im Rahmen der wachsenden Individualisierung auf formaler Ebene zunehmend auflöst, wird es immer schwieriger, Erfahrungen geschlechterspezifischer Zurücksetzung und Diskriminierung zu thematisieren.

Monika Weber kommt zu dem Ergebnis, dass bei der Verteilung gesellschaftlicher Chancen die Polarisierung und Hierarchisierung zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen ungebrochen fortbesteht. Aber was bedeutet die − unter veränderten Vorzeichen − weiterhin bestehende Abwertung des Weiblichen für die Angebote der Mädchenarbeit? Welche Anknüpfungspunkte bieten sich, um die Interessen und Bedürfnisse von Mädchen aufzugreifen? Es wird deutlich, dass es in Zukunft stärker die Aufgabe der Mädchenarbeit sein sollte, Vereinseitigungen von Mädchenbildern entgegenzuwirken, Verdecktes sichtbar zu machen und dabei auch Ambivalenzen zuzulassen. So ist es die Aufgabe der heutigen Mädchenarbeit, Raum für Schwierigkeiten und Widersprüche zu ermöglichen, gleichzeitig sollten die selbstbewussten Anteile von Mädchen ernst genommen und gefördert werden.

Autoren

Dr. Monika Weber

Jahrgang 1963, Dr. phil., Projektleiterin der Koordinationsstelle „Frauen und Gesundheit“ im Internationalen Zentrum für Frauengesundheit gGmbH, Bad Salzuflen; verantwortliche Redakteurin der Fachzeitschrift „Betrifft Mädchen“. Arbeitsschwerpunkte: Mädchen in der Jugendhilfe, Frauen und Gesundheit, Gewalt gegen Frauen und Mädchen. (Stand der Veröffentlichung 2002)

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