Sandra Fendrich und Jens Pothmann

Gehen der Heimerziehung in Ostdeutschland die Kinder aus?

Beitrag aus SOS-Dialog 2007

Beschreibung

Die demografische Entwicklung gewinnt auch für die Kinder- und Jugendhilfe an Bedeutung. Berechnungen zur Bevölkerungsentwicklung zeigen klar, dass die Bevölkerung in Deutschland immer älter, aber auch immer weniger wird. Zur Bedarfsbestimmung der benötigten Angebote in der Heimerziehung eignen sich diese Prognosen jedoch nur sehr bedingt. Die Verantwortlichen der Kinder- und Jugendhilfe haben mittlerweile ebenfalls die Notwendigkeit erkannt, sich mit den Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung und mit den sich ergebenden Konsequenzen für öffentliche Hilfeleistungen auseinanderzusetzen.

Die Autoren stellen trotz des generellen Bevölkerungsrückgangs in Ostdeutschland einen Anstieg der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe fest. Sie machen deutlich, dass sozioökonomische Veränderungen − besonders in ostdeutschen Kommunen − zu einem höheren Bedarf an Leistungen der Heimerziehung führen könnten. Etwaige Prognosen zur Höhe der Inanspruchnahme familienersetzender Hilfen müssen also immer auch im Zusammenhang mit der Entwicklung sozialstruktureller Belastungsfaktoren betrachtet werden.

Der Beitrag appelliert an die Kinder- und Jugendhilfe, rechtzeitig selbst Konzepte zur Bedarfsermittlung zu entwickeln. Die planerische Herausforderung sollte auch als Chance begriffen werden, öffentlichkeitswirksam auf Bedarfslagen hinzuweisen und Hilfen weiterhin als bedarfsgerechte, flexible Angebote zu ermöglichen.

Autoren

Sandra Fendrich

Jahrgang 1974, Diplompädagogin; wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut e.V./Universität Dortmund. Arbeitsschwerpunkte: Adoption, Hilfen zur Erziehung außerhalb des Elternhauses, Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Kinder- und Jugendhilfe. (Stand der Veröffentlichung 2007)

Dr. phil. Jens Pothmann

Jahrgang 1971, Diplompädagoge; wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut e.V./Technische Universität Dortmund. Arbeitsschwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfe und ihre Arbeitsfelder; Jugendamt und Soziale Dienste; Berichtswesen und Sozialberichterstattung; Kennzahlen und Indikatoren. (Stand der Veröffentlichung 2012)

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