Gabriele Bindel-Kögel

Gemeinsam oder getrennt? Zur Rechtspraxis der außerfamiliären Unterbringung von Geschwisterkindern in Deutschland

Beitrag aus SOS-Dialog 2012

Beschreibung

In etwa einem Drittel aller Fremdplatzierungen werden Geschwisterkinder zeitgleich untergebracht, viele von ihnen werden während der Fremdunterbringung getrennt. Welche Gründe sind dafür ausschlaggebend, Geschwister gemeinsam oder getrennt unterzubringen? Und welche Erziehungshilfen werden vom Jugendamt für die Unterbringung von Geschwisterkindern nachgefragt und in Auftrag gegeben? Wie können die Geschwisterbeziehungen im Rahmen der Erziehungshilfen sinnvoll gefördert und gepflegt werden?

Gabriele Bindel-Kögel beschreibt die Anforderungen an Leistungen und Angebote zur Unterbringung von Geschwisterkindern, wie sie sich im Kontext der außerfamilialen Unterbringung für die Fachkräfte darstellen. Die Fachkräfte der Jugendämter weisen in diesem Zusammenhang immer wieder darauf hin, dass das Organisieren und Betreuen von Geschwisterkindern ein wichtiges fachliches Arbeitsfeld darstellt. Ausgehend von den Bedürfnissen der Kinder nach Kontakt sind vor allem dessen Anbahnung, Begleitung und Nachbereitung achtsam und professionell zu gestalten, um zu einer positiven Entwicklung der einzelnen Geschwister beizutragen.

In einer empirisch ausgerichteten Studie an der Technischen Universität Berlin wurden im Jahr 2009 die rechtlich geregelten Prozesse der Planung und Entscheidung außerfamiliärer Erziehungshilfen, wie sie im SGB VIII geregelt sind, in den Blick genommen. Die Studie umfasste eine bundesweite Onlinebefragung und Interviews mit Fachkräften von Jugendämtern sowie acht Familienrichterinnen und -richtern und bezog relevante Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik mit ein. Die Autorin berichtet über die Ergebnisse der Studie. Sie kommt zu dem Schluss, dass sich in den Leistungsbeschreibungen der Träger von Jugendhilfemaßnahmen bislang kaum geschwisterrelevante Ausführungen finden. Es wird deutlich, dass die Ausdifferenzierung pädagogischer Konzepte zur Erziehung und Betreuung von Geschwistern generell noch in den Anfängen steht. Eine defizitäre Angebotssituation sowie nicht vorhandene Diagnoseinstrumente geben weitere Hinweise darauf, dass die Thematik der Geschwisterlichkeit in der Fremdunterbringung bislang nicht angemessen berücksichtigt wird.

Autoren

Dr. phil. Gabriele Bindel-Kögel

Jahrgang 1954, Diplompädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Politikwissenschaft und historisch-politische Bildung der Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Sozialrecht und Zivilrecht. Forschungsschwerpunkte: Praxis des Kinder- und Jugendhilferechts, des Kindschaftsrechts und Jugendstrafrechts; Kinder- und Jugendkriminalität; Schriftleitung der Zeitschrift "Unsere Jugend".
(Stand der Veröffentlichung 2011)

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