Daniela Reimer und Klaus Wolf

Geschwisterbeziehungen in der Fremdunterbringung – Ressourcen und Belastungen

Beitrag aus SOS-Dialog 2012

Beschreibung

Eine Fremdunterbringung bedeutet in der Biografie eines Kindes einen dramatischen, oftmals traumatisierenden Einschnitt. Vorausgegangene, gemeinsam erlebte Not- und Mangelsituationen können Geschwisterkinder in dieser Lebenslage zusammenschweißen. Geschwister können sich in einer derartig belastenden Situation Rückhalt, Stabilität und das Gefühl von Kontinuität geben; nicht selten jedoch führen solche Erfahrungen auch zu starken Abhängigkeiten untereinander.

Welche konkreten Aspekte gilt es bei der Entscheidung für eine getrennte oder gemeinsame Unterbringung zu beachten, um die für alle Beteiligten und insbesondere die betroffenen Kinder bestmögliche Platzierungslösung zu finden? Welche Folgen kann es haben, wenn ältere Geschwister in einem neuen Setting Erziehungsaufgaben für ihre jüngeren Schwestern und Brüder übernehmen? Und inwieweit schränkt diese Verlagerung der sozialisatorischen Aufgaben der Familie junge Menschen ein und hemmt sie bei der Entfaltung ihrer eigenen Entwicklungspotenziale? Unter welchen Bedingungen erscheint es ratsam, für jedes Kind ein neues Lebensfeld zu arrangieren?

In Gesprächen mit Geschwistergruppen in SOS-Kinderdorffamilien sind Daniela Reimer und Klaus Wolf diesen Fragestellungen nachgegangen. Sie plädieren dafür, Beziehungen von (Geschwister-)Kindern nicht nur aus der Sicht der Erwachsenen zu beurteilen, sondern immer auch aus deren eigener Perspektive. Die Autoren halten es für fachlich dringend geboten, dem Thema "Geschwisterbeziehungen" und den Möglichkeiten, diese pädagogisch zu gestalten, deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Autoren

Daniela Reimer

Jahrgang 1981, Diplompädagogin, Diplomsozialarbeiterin; derzeit Lehrkraft für besondere Aufgaben und seit 2006 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsschwerpunkt „Aufwachsen in Pflegefamilien“ der Universität Siegen, Department Erziehungswissenschaft und Psychologie. Arbeitsschwerpunkte: erziehungswissenschaftliche Biografieforschung und Aufwachsen unter schwierigen Bedingungen. (Stand der Veröffentlichung 2012)

Prof. Dr. phil. Klaus Wolf

Jahrgang 1954, Diplomsozialpädagoge, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Siegen, Department Erziehungswissenschaft und Psychologie in der Fakultät Bildung, Architektur, Künste; zuvor Leiter einer Jugendhilfeeinrichtung in Hamburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Neubrandenburg und Professor für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Köln. Arbeitsschwerpunkte: Forschung zum Aufwachsen unter ungünstigen Bedingungen, insbesondere in hoch belasteten Familien, in Heimen und Pflegefamilien; Biografien und sozialpädagogische Interventionen; Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialpädagogik. (Stand der Veröffentlichung 2012)

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