Sibylle Walter und Maja Heiner

Die Bedeutung der Geschwisterbeziehungen bei der Fremdplatzierung

Auszug aus SPI-Materialien 8, 2010

Beitrag aus SOS-Dialog 2012

Beschreibung

Aus der hier in Auszügen vorgestellten Expertise von Maja Heiner und Sibylle Walter geht hervor, dass es in Deutschland nur wenige Studien gibt, die sich mit Geschwisterbeziehungen im Rahmen einer Fremdunterbringung beschäftigen. Sollen Geschwister nachhaltig gefördert werden, so muss dies für die Praxis bedeuten, dem Thema Geschwisterlichkeit entschieden mehr Aufmerksamkeit und Achtsamkeit entgegenzubringen, als dies gegenwärtig der Fall ist.

Es erweist sich für die alltägliche Praxis der Fachkräfte als dringend erforderlich, Kriterien zur Einschätzung der Qualität der Geschwisterbeziehungen zu entwickeln und die Kompetenz zur diagnostischen und prognostischen Beurteilung auszubauen. Denn obwohl einige Untersuchungen zu den psychologischen Effekten einer Fremdplatzierung auf die unterstützende Wirkung von Geschwisterbeziehungen hinweisen, lässt sich bis heute nicht eindeutig und generell sagen, ob eine gemeinsame oder eher eine getrennte Unterbringung die angemessene Form für die Fremdunterbringung von Geschwisterkindern ist. Zu komplex sind die Situationen, und zu viele Faktoren sind in unterschiedlicher Hinsicht beteiligt. Darüber hinaus fehlen bis heute diagnostische Verfahren zur Einschätzung und qualitative Studien, die Rückschlüsse darüber möglich machen würden, wie Eltern und vor allem Kinder eine gemeinsame oder getrennte Unterbringung erleben und bewerten.

Bekannt ist jedoch, dass Kinder und Jugendliche selbst überwiegend die gemeinsame Unterbringung bevorzugen. Dem kann fachlich nur entsprochen und angemessen begegnet werden, wenn man gelebte Geschwisterbeziehungen konsequent als ein Anrecht begreift – und nicht als zweckrationales pädagogisches Mittel.

Autoren

Sibylle Walter

Jahrgang 1977, Diplompädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Eberhard Karls Universität Tübingen, Institut für Erziehungswissenschaft, und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für regionale Innovation und Sozialforschung IRIS e.V., Tübingen. Arbeitsschwerpunkte: Jugendliche im Übergang, Jugend- und Bildungsforschung, Evaluation und Praxisentwicklung. (Stand der Veröffentlichung 2010)

Prof. i. R. Dr. phil. Maja Heiner

Jahrgang 1944, bis 2009 Professorin für Erziehungswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Sozialpädagogik. Arbeitsschwerpunkte: Methoden der Sozialen Arbeit, diagnostisches Fallverstehen, Selbst- und Fremdevaluation, qualitative Fall- und Interaktionsanalysen; im geschäftsführenden Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Allgemeiner Sozialdienst/Kommunaler Sozialdienst tätig. (Stand der Veröffentlichung 2010)

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