Christian Schrapper und Michaela Hinterwälder

Wie können wir besser verstehen, was Schwestern und Brüder einander bedeuten, wenn sie in Heimen oder Kinderdörfern leben?

Beitrag aus SOS-Dialog 2012

Beschreibung

Geschwisterbeziehungen beinhalten weit mehr als die aktuelle Verbindung zwischen Schwestern und Brüdern, sind sie doch immer auch beeinflusst von der Geschichte der Eltern und von Ereignissen, die lange vor der Geburt der Kinder das Familienleben geprägt haben. Sie gelten als äußerst facettenreich und ambivalent: Manchmal tun sie gut, manchmal sind sie belastend. Wie können diese Aspekte auch bei Kindern berücksichtigt werden, die fremduntergebracht werden, weil ihre Familien nicht angemessen für sie sorgen können? Gibt es geeignete und praktikable Hilfsmittel oder Verfahren für die Einschätzung von Risiken, Potentialen und Entwicklungsmöglichkeiten von Geschwisterbeziehungen? Wie können Fachkräfte bei der Wahrnehmung und Deutung von gemeinsamen Familienerfahrungen und Beziehungen von Geschwisterkindern unterstützt werden?

Diesen Fragen wurde in einer Expertise an der Universität Koblenz-Landau und in einem Praxisentwicklungsprojekt nachgegangen. Christian Schrapper und Michaela Hinterwälder erläutern die Ergebnisse. Dabei stellen sie fest, dass bis heute in der Kinder- und Jugendhilfe Arbeitweisen und Instrumente zur angemessenen Bewertung der Bedeutung von Geschwisterbeziehungen fehlen. Fachlich, rechtlich, organisatorisch und nicht zuletzt wirtschaftlich scheinen Geschwistergruppen und die ernsthafte Berücksichtigung der Beziehungen von Schwestern und Brüdern zueinander nicht in die vorherrschende Logik der stationären Erziehungshilfe zu passen – in Jugendämtern ebenso wenig wie in Einrichtungen.

Die Verfasser formulieren eine Reihe von fachlichen Hinweisen für die weitere Arbeit an dieser Thematik und stellen anschließend ein Praxisentwicklungsprojekt im SOS-Kinderdorf e.V. vor, in welchem Verfahren erprobt werden, um Potentiale von geschwisterlichen Beziehungen – aber auch Belastungen und ̶Risiken – zu erfassen und einzuschätzen.

Autoren

Prof. Dr. phil. Christian Schrapper

Jahrgang 1952, Sozialarbeiter (grad.), Diplompädagoge, seit 1998 Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Universität Koblenz-Landau in Koblenz. Arbeitsschwerpunkte: Geschichte, Theorie und Methoden Sozialer Arbeit, insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe. (Stand der Veröffentlichung 2013)

Michaela Hinterwälder

Jahrgang 1969, Diplompädagogin, Erzieherin, von 2007 bis 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik, Arbeitsbereich Sozialpädagogik, an der Universität Koblenz-Landau; seit November 2011 Referentin in der Abteilung Kindertageseinrichtungen beim Caritasverband für die Diözese Trier e.V. Arbeitsschwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfe, Kinderschutz, Geschwisterforschung, Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen. (Stand der Veröffentlichung 2013)

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