Sabine Walper und Carolin Thönnissen

Geschwisterbeziehungen in riskanten Familienkonstellationen

Beitrag aus SOS-Dialog 2012

Beschreibung

Geschwister haben zweifellos eine spezifische Stellung im Netzwerk menschlicher Beziehungen. Insbesondere Beziehungen zu leiblichen Schwestern oder Brüdern stellen in den meisten Fällen die am längsten währenden sozialen Beziehungen im Leben von Menschen dar, sie gehören zu den dauerhaftesten sozialen Erfahrungen überhaupt. Welche erkennbaren Einflüsse haben Faktoren wie die Eltern-Kind-Beziehung, elterliche Konflikte oder Unleichbehandlung auf das Beziehungsgeflecht zwischen Geschwistern und auch zwischen den jeweiligen Bezugspersonen aus systemischer Sicht und aus Sicht der Bindungsforschung?

Sabine Walper und Carolin Thönnissen beschreiben die verschiedenen Dimensionen und Einflussfaktoren in Geschwisterbeziehungen vor dem Hintergrund theoretischer Perspektiven und empirischer Forschungen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Chancen und Risiken von Geschwistern in riskanten Familienstrukturen und -dynamiken. Die Autorinnen beleuchten spezifische Aspekte und Konstellationen der geschwisterlichen Bindung, wie etwa in Trennungs- und Scheidungsfamilien, nach dem Tod der Eltern und von Kindern und Jugendlichen in Pflege- und Adoptivfamilien oder familienähnlicher Betreuung. In diesem Zusammenhang gehen sie auch der Frage nach, ob im Falle einer Fremdunterbringung eher eine gemeinsame oder eine getrennte Platzierung ratsam scheint.

Die Verfasserinnen kommen zu dem Ergebnis, dass angesichts der Erfahrungen extremer familiärer Instabilität Geschwisterbeziehungen, insbesondere für Kinder und Jugendliche in den stationären Hilfen zur Erziehung, eine wichtige identitätsbildende soziale Ressource darstellen. Sie plädieren dafür, dieses Wissen stärker in der sozialpädagogischen Praxis zu berücksichtigen.

Autoren

Prof. Dr. phil. Sabine Walper

Jahrgang 1956, Diplompsychologin, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) und Professorin für Jugend- und Familienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Arbeitsschwerpunkte: Familien- und Jugendforschung, vor allem Forschung zu Auswirkungen von Scheidung und neuen Partnerschaften auf Kinder, zu Einflüssen von Armut auf das Familienleben und Entwicklungschancen von Kindern; Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates für Familienfragen des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend sowie Mitherausgeberin der Zeitschriften „Psychologie in Erziehung und Unterricht“ sowie „Soziologie der Erziehung und Sozialisation“. (Stand der Veröffentlichung 2012)

Born in 1956, graduate psychologist, professor for youth research at the Ludwig-Maximilians-University, Munich, Institute for Pedagogics, Educational and Socialisation Research. Fields of work: family and youth research, particularly research on the development of family relations, on effects of divorce and new parental partnerships on children, on impacts of poverty on family life, and development opportunities of children. Member of the German Scientific Council for Family Affairs of the Federal Ministry for Family Affairs, Senior Citizens, Women and Youth, as well as co-publisher of the review “Psychologie in Erziehung und Unterricht”.
(as published in 2010)

Dr. phil. Carolin Thönnissen

Jahrgang 1981, Erziehungswissenschaftlerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt Beziehungs- und Familienpanel (pairfam) an der Fakultät für Psychologie und Pädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Forschungsschwerpunkte: Jugendalter und junges Erwachsenenalter, Beziehung zur Herkunftsfamilie, Eltern-Kind-Beziehungen, Erziehung. (Stand der Veröffentlichung 2016)

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