Mathias Schwabe

Subjektive Voraussetzungen für Zielformulierungen und Kontraktfähigkeit

Beschreibung

Seitens der in den Hilfeplanverfahren der Erziehungshilfen Tätigen wird zumeist davon ausgegangen, dass die Adressatinnen und Adressaten in der Lage seien, eigene Ziele zu bilden, diese in Worte zu fassen und verbindliche Absprachen zu treffen. Obwohl diese Fähigkeiten zweifellos wesentliche Voraussetzungen sind, um am Gelingen des Hilfeplanverfahrens mitwirken zu können, können sie doch nicht von vornherein als gegeben betrachtet werden. Vielmehr gilt es zu berücksichtigen, dass sie bei Kindern, Jugendlichen, Eltern und anderen beteiligten Erwachsenen häufig nicht in für die Hilfplanung ausreichendem Maße entwickelt sind.

Entlang der folgenden Fragen skizziert Martin Schwabe zentrale Bereiche für die Entwicklung von eigenen bedeutsamen Zielperspektiven und für die eigene Kontraktfähigkeit: Wie sicher bin ich mir darüber, wer ich bin und was ich will? Wie sicher bin ich mir darüber, dass ich etwas bewirken kann? Wie gut weiß ich, wie man Planungen macht und umsetzt? Und wie sicher bin ich mir darüber, dass Gesagtes und Geplantes auch getan wird?

Plastisch schildert der Autor, was das Fehlen einer oder mehrerer dieser Fähigkeiten für den Prozess der Hilfeplanung bedeutet und warum derartige Defizite und ihre Ursachen mit diagnostischem und fallverstehendem Blick zunächst einmal erfasst werden müssen. Denn erkennt man diese Mängel, so bedeutet das nicht etwa, dass Zielentwicklungen, Planung und Absprachen unmöglich werden; sie bedürfen dann jedoch einer besonderen methodischen Kompetenz seitens der Fachkräfte. In einem weiteren Schritt erweist es sich dann als sinnvoll, die fehlenden, für die Zielentwicklung aber erforderlichen Kompetenzen dialogisch zu entwickeln. Dabei ist es häufig die Art und Weise der Zielentwicklung, die darüber entscheidet, ob dieses Verfahren als Überforderung erlebt wird – oder als eine Möglichkeit zur Kompetenzerweiterung, die wiederum auch eine Chance zur Persönlichkeitsentwicklung birgt.

Autoren

Prof. Dr. phil. Mathias Schwabe

Jahrgang 1958, Diplompädagoge, systemischer Berater/Supervisor (IGST), Professor für Methoden der Sozialen Arbeit an der Evangelischen Fachhochschule Berlin. Langjährige berufliche Erfahrungen mit offener Kinder- und Jugendarbeit in einer Obdachlosensiedlung, als Sozialpädagoge in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und als Leiter eines Erziehungshilfeverbundes der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart e.V. (Stand der Veröffentlichung 2005)

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