Esin Erman

Kinderschutz im Kontext interkultureller Öffnung

Beschreibung

Im Sozialgesetzbuch Achtes Buch Kinder- und Jugendhilfe wird die Kinder- und Jugendhilfe aufgefordert, Eltern Wege aufzuzeigen, wie Konflikte in der Familie gewaltfrei gelöst werden können, und pädagogisches Handeln sollte sich – auch unter interkulturellen Gesichtspunkten – von dieser Prämisse leiten lassen. Die Arbeit mit Familien mit Migrationshintergrund unterscheidet sich jedoch erheblich von der mit deutschstämmigen Kindern und ihren Eltern. Häufig wird der Kinderschutz in diesen Familien untergraben, indem gewalttätige, die Entwicklung des Kindes behindernde Erziehungspraktiken mit der "kulturellen Eigenart“ der Eltern begründet werden. Dabei sind es nicht selten Unkenntnis über Hilfemöglichkeiten und Angst vor Repressionen, die viele dieser Familien davon abhalten, sich in Überforderungssituationen an die jeweilige Einrichtung oder das Jugendamt zu wenden.

Esin Erman beschreibt verschiedene Erklärungsversuche für innerfamiliäre Gewalt in Einwandererfamilien. Dabei geht die Autorin insbesondere auf sozioökonomische Belastungssituationen, Ursachen von Aggression und auf Benachteiligungsprozesse ein, mit denen sich Migrantenfamilien konfrontiert sehen. Vor diesem Hintergrund veranschaulicht sie die zentrale Bedeutung der präventiven Arbeit. Die Verantwortlichen stehen vor der Herausforderung, Eltern mit Migrationshintergrund in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken und ihnen Sicherheit in ihrer Elternrolle zu vermitteln. Die Entwicklung interkultureller Kompetenz aufseiten der Fachkräfte erweist sich dafür als unerlässlich und darf nicht beschränkt bleiben auf das Engagement Einzelner. Vielmehr erfordert sie ein übergreifendes Gesamtkonzept, das nicht zuletzt auch eine gesetzliche Verankerung finden sollte.

Autoren

Esin Erman

Jahrgang 1967, Diplompsychologin, psychologische Psychotherapeutin (TP), Elterntrainerin, körpertherapeutische Krisenintervention für Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder; nach mehrjähriger Tätigkeit in der Erziehungs- und Familienberatung des SOS-Kinderdorf Berlin-Moabit seit 2008 im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg; Vorstandsmitglied und Regionalkoordinatorin (Berlin) der Gesellschaft für interkulturelle Psychotherapie und psychosoziale Beratung (GIP). Arbeitsschwerpunkte: interkulturelle Kompetenz, Kinderschutz, psychosoziale Versorgung von Migrantinnen und Migranten, besonders Mädchen und Frauen aus islamisch geprägten Herkunftsfamilien. (Stand der Veröffentlichung 2008)

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