Wolfgang Graßl

Praxissicht eines freien Jugendhilfeträgers

Beschreibung

Das sorgfältige Planen und Gestalten der Übergänge im Leben benachteiligter Jugendlicher gehört zu den zentralen Aufgaben der Jugendhilfe und der Jugendberufshilfe. Dies gilt insbesondere für die Übergänge von einer Jugendhilfeeinrichtung in ein selbstständiges Leben, von der Schule in die Ausbildung und vom Ausbildungsplatz in das Berufsleben. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch die gegenwärtige Tendenz, das achtzehnte Lebensjahr als feststehende zeitliche Grenze für die Beendigung der stationären Jugendhilfe anzusehen. Auch wird bei Entscheidungen zunehmend die individuelle Situation der Betroffenen nicht mehr berücksichtigt, weil der Kostendruck im Vordergrund steht.

Wolfgang Graßl veranschaulicht an zwei Beispielen aus Einrichtungen des SOS-Kinderdorf e.V., warum für Jugendliche die Vollendung ihres achtzehnten Lebensjahres nicht mehr nur mit Freiheit und Selbstbestimmung, sondern mit Sorge um die eigene Zukunft verbunden ist. Er beschreibt zudem, auf welche Art und Weise der SOS-Kinderdorf e.V. seinen Anspruch in die Praxis umsetzt, junge Erwachsene so lange zu begleiten und auszubilden, bis sie das nötige Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz entwickeln, um in unserer komplexen Gesellschaft selbstbestimmt zu leben und sowohl persönlich als auch wirtschaftlich unabhängig zu sein. Durch beteiligungsorientierte Konzepte werden hier junge Menschen nicht nur einbezogen, sondern auch so unterstützt, dass sie ihre Belange in die Hand nehmen und sich darüber als selbstwirksam erleben können.

Autoren

Wolfgang Graßl

Jahrgang 1956, Diplompädagoge, Diplomsozialpädagoge (FH), Systemischer Familientherapeut; seit 1989 Referent und seit 2005 Abteilungsleiter im Geschäftsbereich Personal und Pädagogik des SOS-Kinderdorf e.V. Arbeitsschwerpunkte: Steuerung und Planung von SOS-Einrichtungen in personeller, konzeptioneller und angebotsbezogener Hinsicht sowie die qualitative Weiterentwicklung insbesondere der familienanalogen Betreuungssettings.
(Stand der Veröffentlichung 2011)

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