Florian Straus

Handlungsbefähigung als Konzept zur Stärkung junger Menschen

Beschreibung

Wer junge Menschen begleitet, weiß, dass sich ihnen manchmal Gelegenheiten eröffnen, die zu ergreifen sie nicht in der Lage sind. Die Fähigkeit, eine Chance zu nutzen, ist nicht zu jedem Zeitpunkt im gleichen Ausmaß vorhanden, Chance und Fähigkeit scheinen zuweilen nicht zusammenzupassen. Andererseits gelingt es Jugendlichen entgegen aller widrigen Umstände immer wieder, Chancen zu ergreifen. Was also befähigt junge, sozial benachteiligte Menschen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen? Welche Faktoren vermitteln ihnen die Zuversicht, ihre Zukunft meistern zu können?

Florian Straus begibt sich auf eine Spurensuche und gibt zunächst einen Überblick über die in diesem Zusammenhang entstandenen Forschungsansätze. Dabei geht er insbesondere auf die Konzepte der Handlungsbefähigung, der Belastungsbewältigung und der Identitätsentwicklung ein und untersucht, inwieweit es überhaupt möglich ist, Schutzfaktoren der Resilienz und ein belastbares Kohärenzgefühl bewusst zu stärken, und welche Rolle Belastungen und Herausforderungen bei der Entwicklung von Identität und Handlungsbefähigung spielen. Anders ausgedrückt: Was benötigen junge Erwachsene an Unterstützung, um die Fähigkeit zu entwickeln, ihr Leben zu bewältigen und ein gelingendes, subjektiv zufriedenstellendes Leben zu führen?

Explizit verweist der Autor auf die zentrale Zielsetzung, die im Dreizehnten Kinder- und Jugendbericht für eine nachhaltige Jugendhilfe formuliert wird: die Steigerung der Selbstwirksamkeit und des Kohärenzgefühls. Nachdrücklich plädiert er dafür, diese engagiert in die Praxis umzusetzen und die Förderung von Handlungsbefähigung auf die Lebensumstände sowie auf die Optimierung der Rahmenbedingungen der betreffenden Menschen zu beziehen. Jugendliche zu unterstützen, sollte letztlich immer bedeuten, ihre sozialen Ressourcen für eine selbstständige Lebensführung zu fördern und ihre Gestaltungspotenziale zu stärken.

Autoren

Dr. phil. Florian Straus

Studium der Soziologie, Psychologie und Philosophie in München; Geschäftsführer des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München, von 1989 bis 2009 Mitglied der Sonderforschungsbereiche 333 und 536 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Arbeitsschwerpunkte: Netzwerkanalysen, Handlungstheorie, Identitätsforschung, Arbeitsmarktforschung, Missbrauch in Institutionen. (Stand der Veröffentlichung 2017)

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