Mike Seckinger

Jungen Menschen Ermöglichungsräume zur Verfügung stellen − eine Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe

Beschreibung

Ziel sozialpädagogischer Arbeit ist es, jungen Menschen und ihren Familien dabei zu helfen, neue Möglichkeiten der alltäglichen Lebensführung zu finden, und die Strukturen, in denen sie leben, so zu verändern, dass hierfür reale Chancen bestehen. Fachkräfte sind dabei aufgefordert, individuelle Wege zu gehen,  in ihren Grundsätzen jedoch verallgemeinerbaren Anforderungen zu genügen. Angesichts dessen versucht Mike Seckinger, Brücken von der Theorie in die Praxis zu schlagen. Aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe fragt er: Wie lassen sich komplexe Konzepte, wie der Capability-Approach oder der Well-being-Ansatz, in die Praxis der stationären Hilfen zur Erziehung übersetzen?

Eine erste Brücke zwischen den Theorieansätzen  und dem praktischen Handeln in der Kinder- und Jugendhilfe sieht der Autor in der  Reflexion der Fachkräfte darüber, welches Bild sie sich von den Adressatinnen und Adressaten gemacht haben, insbesondere  hinsichtlich dessen, was diese  erreichen können. Sich Klarheit über die eigenen Annahmen und Vorurteile zu verschaffen und die Bereitschaft, das einmal gewonnene Bild zu revidieren, wird sich positiv auf die pädagogischen Prozesse auswirken.

Selbst Einfluss nehmen zu können auf das, was mit einem geschieht, ist ein wesentlicher Aspekt von Well-being. In Bezug auf die stationäre Unterbringung ist das Erleben von Autonomie und Selbstwirksamkeit vor allem zu Beginn einer Maßnahme, bei notwendigen Veränderungen und bei Beendigung der Hilfe von großer Bedeutung. Seckinger plädiert dafür, die Phase der Verselbstständigung und das Ende einer Maßnahme als Gelegenheiten zu nutzen für ein aktives Mitwirken der beteiligten jungen Menschen. Fachkräfte sollten die Kinder und Jugendlichen zu mehr Beteiligung ermutigen und sie verstärkt in Entscheidungen einbinden, die sie selbst betreffen – all dies nicht zuletzt mit dem Ziel vor Augen, Ermöglichungsräume für junge Menschen zu schaffen.

Mike Seckinger stellt Well-being als das Ergebnis eines Zusammenspiels von individuellen Gegebenheiten, den Beziehungen im sozialen Nahraum und der gesellschaftlichen Ebene dar. Gute Arbeitsbedingungen und ein förderliches Arbeitsklima wie auch ein etabliertes Beschwerdemanagement in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sieht er als  unabdingbare Voraussetzungen und Basis dafür, dass pädagogische Fachkräfte sich für das Wohlergehen und die Befähigung von Kindern und Jugendlichen einsetzen können.

Autoren

Dr. phil. Mike Seckinger

Jahrgang 1965, Diplompsychologe, Leiter der Fachgruppe „Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe“ am Deutschen Jugendinstitut e.V., Abteilung Jugend und Jugendhilfe. Arbeitsschwerpunkte: Jugendhilfeforschung, Partizipation, Gemeindepsychologie.

(Stand der Veröffentlichung 2013)

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