Angela Wernberger

Erziehungshilfen als ganzheitliche Bildungs- und Befähigungspraxis

Beschreibung

Bildung bietet das größte Potential, eigene Ideen von einem guten Leben zu entwerfen und diese in die Praxis umsetzen zu können. Unter Bildung ist dabei weit mehr zu verstehen als ein bestimmtes Bildungsideal oder der Erwerb formaler Zertifikate. Vielmehr ist Bildung in ihrem jeweiligen kulturellen Rahmen als kontextgebundene Handlungsbefähigung zu betrachten, der sowohl reproduktive als auch emanzipatorische Momente zu eigen sind und die von Prozessen individueller Reflexion und sozialer Anerkennung lebt. Sie ist somit ein Teilbereich der Sozialisation.

Ausgehend von einer ausführlichen Beschreibung der verschiedenen theoretischen Grundlagen um den Begriff "Bildung" entwirft Angela Wernberger das heuristische Modell der sozialisatorischen Bildung. Damit lassen sich die Interdependenzen veranschaulichen, die auf das Bildungsgeschehen einwirken. Es zeigt, wie Erfahrung und Befähigung, Interaktion und Koordination sowie Anerkennung und Teilhabe auf Individual-, Handlungs- und Kollektivebene ineinandergreifen und sich bedingen. Da das Modell sowohl didaktisch-intentionale als auch lebensweltliche und informelle Bildungsprozesse berücksichtigt, bietet es einen theoretisch fundierten Rahmen, um etwa Bildungsprozesse im Kontext erzieherischer Hilfen beschreiben zu können. Als Beispiel wird ein Fall aus der Sozialpädagogischen Familienhilfe geschildert.

Der Beitrag entwirft ein umfassendes Bildungsverständnis. Aus ihm heraus lassen sich auch in der Erziehungshilfe Bildungsgelegenheiten ohne hierarchische und wertende Unterscheidung erkennen und initiieren, um den Kindern und Jugendlichen eine adäquate Teilhabe an unterschiedlichen Lebenswelten zu ermöglichen.

Autoren

Angela Wernberger

Jahrgang 1969, M.A., Soziologin, Diplomsozialpädagogin (FH), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) München, Promovendin am Institut für Soziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; seit über zwanzig Jahren im Bereich der ambulanten Jugendhilfe tätig. Arbeitsschwerpunkte: Sozialisationstheorie, Jugendhilfeforschung, Methoden empirischer Sozialforschung, Familiensoziologie, Soziale Ungleichheit, Neue Kindheitsforschung.

(Stand der Veröffentlichung 2013)

Seite drucken

© SOS-Kinderdorf e.V.