Maren Zeller

Vertrauen als Dimension in der Kinder- und Jugendhilfe

Beschreibung

In den Praxis- wie auch Fachdiskursen der Sozialen Arbeit gilt das Vorhandensein von Vertrauen meist als Kennzeichen für ein gelungenes Arbeitsbündnis zwischen den Professionellen und den Adressatinnen und Adressaten. Um adäquate Hilfe leisten zu können, sehen sich Fachkräfte von vornherein aufgefordert, das Vertrauen ihrer Klientel zu erwerben. Vertrauensbildung gilt mehr oder weniger als Prämisse für das Gelingen, dies wird zumeist nicht weiter hinterfragt, sondern als gegeben vorausgesetzt. Die in den Erziehungshilfen und insbesondere in der Heimerziehung betreuten jungen Menschen haben in ihrer Herkunftsfamilie meist Vertrauensbrüche erlebt und als Beziehungserfahrung verankert, oft sind sie nicht mehr oder noch nicht wieder bereit, einem anderen Menschen Vertrauen zu schenken. Dennoch können in der Betreuung und Fremdunterbringung valide Arbeitsbündnisse zwischen Adressatinnen bzw. Adressaten und Betreuern entstehen, wie sich in der Praxis zeigt.

Welche Rolle kommt dem persönlichen Vertrauen zwischen Hilfesuchenden und Professionellen für das Gelingen eines Arbeitsbündnisses zu und welche unterschiedlichen Vertrauensebenen gibt es? Was ist unter dem Begriff "Vertrauen" konkret zu verstehen und welche Bedeutung haben die verschiedenen Aspekte von Vertrauen? Wie sieht es in der Praxis mit dem gegenseitigen Vertrauen im Ausbalancieren von Distanz und Nähe aus? Was trauen Fachkräfte den ihnen anvertrauten Jugendlichen zu und wann vertrauen sie ihnen, dass sie etwas schaffen können? Auf der Grundlage unterschiedlicher Studien und Fallbeispiele geht Maren Zeller diesen Fragestellungen nach. Entlang der These, dass es verschiedene Formen von Vertrauen gibt, schlägt sie den Bogen von der soziologischen Vertrauenstheorie zu Vertrauensformen in den Erziehungshilfen. Sie schildert, inwieweit das Arbeitsbündnis in der Jugendhilfe von einer Machtasymmetrie gekennzeichnet ist und dass die Hilfesuchenden, wenn sie sich auf eine Hilfe einlassen, immer auch einen Vertrauensvorschuss geben. Denn letztendlich vertrauen sie darauf, dass diese Asymmetrie nicht ausgenutzt oder gegen sie verwendet wird.

Die Autorin betont, dass in dem Bemühen, Vertrauen zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen, unterschiedliche Ebenen berücksichtigt, Organisationssettings gestaltet und geeignete Ermöglichungsräume für alle Beteiligten geschaffen werden sollten.

Autoren

Maren Zeller

Jahrgang 1974, Diplompädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Universität Hildesheim. Arbeitsschwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere Erziehungshilfen und Übergang in das Erwachsenenleben, Prozesse der Vertrauensbildung, Methoden der Qualitativen Sozialforschung, Bildungsprozesse, Refugee-Studies.

(Stand der Veröffentlichung 2013)

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