Geschwisterbeziehungen verstehen und durchblicken

Band 12 der SPI-Materialien

ISBN: 978-3-936085-79-2
ISSN: 1868-2790
Schutzgebühr 15,00 €

Beschreibung

Fundierte sozialpädagogische Einschätzungen sind zentral für die Auswahl von Hilfen zur Erziehung. Hierfür setzen die Fachkräfte der Jugendhilfe vielfach diagnostische Verfahren und fallverstehende Konzepte ein. 

Inwieweit sich die gängigen Instrumente und Methoden eignen, die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen zu beurteilen und entsprechende Hinweise zu geben, hat Christian Schrapper unter Mitarbeit von Michaela Hinterwälder insbesondere für die stationäre Jugendhilfe überprüft. Sie haben die sozialpädagogisch-diagnostischen Konzepte und psychologischen Testverfahren durchgesehen, die bei der Vorbereitung, Entscheidung und Realisierung von Fremdunterbringungen genutzt werden, und stellen sie jeweils mit einem kommentierenden Resümee vor. Auch Verfahren für familiengerichtliche Stellungnahmen werden besprochen.

Eingebettet wird diese Untersuchung in die grundsätzliche Frage, wie in den Theorie- und Fachdiskursen der Sozialen Arbeit Lebenssituationen insgesamt wahrgenommen, Bedeutungen eingeschätzt und Entscheidungen vorbereitet werden.

Eine Sekundärauswertung von Jugendamtsakten hinsichtlich der Geschwisterthematik rundet die Expertise ab, indem sie zum einen deutlich aufzeigt, dass fremduntergebrachte Kinder in ihren Familien oft nur für einen begrenzten Zeitraum einen festen Platz haben, und indem sie zum anderen zentrale Tendenzen der Arbeitsweise und Entscheidungspraxis in der Kinder- und Jugendhilfe erkennen lässt. Zugleich gewährt sie einen Blick darauf, wie sehr die Kinder und Jugendlichen den Kontakt zueinander suchen, um eine möglichst stabile Bindung im unsicheren Rahmen herzustellen.

Die Expertise ist übersichtlich strukturiert und fasst die einzelnen Untersuchungsteile jeweils in einem Zwischenfazit prägnant zusammen. Abschließend werden die zentralen Befunde eingängig resümiert und erste Hinweise für themenspezifische Weiterentwicklungen gegeben. 

Christian Schrapper unter Mitarbeit von Michaela Hinterwälder

Herausgegeben vom Sozialpädagogischen Institut

des SOS-Kinderdorf e.V.

München 2013, Eigenverlag


Inhaltsverzeichnis

SPI-Materialien "Geschwister in der stationären Erziehungshilfe"

      6

Vorwort

   9


Einführung

 11

1

Verstehen und Durchblicken sozialer Verhältnisse, individueller Problemlagen und sozialpädagogischer Handlungsoptionen

 15

1.1
Diagnostik und Fallverstehen im Spiegel der Jugendberichte des Bundes
 15

1.1.1
Dritter Jugendbericht 1972: „Diagnose Verwahrlosung“
 15
1.1.2Fünfter Jugendbericht 1980: Kritik an Konzeption und Praxis der psychosozialen Diagnosen 16

1.1.3
Achter Jugendbericht 1990: „Differenzierte Zuweisungskriterien“ zwischen Stigmatisierung und Ressourcenorientierung
 17

1.1.4
Zehnter Kinder- und Jugendbericht 1998: Die Subjektorientierung der Hilfeplanung und die Probleme mit Diagnostik und Aushandlung
 19

1.1.5
Elfter Kinder- und Jugendbericht 2002: Es fehlt ein anerkanntes Verständnis sozialpädagogischer Diagnosen
 20

1.1.6
Dreizehnter Kinder- und Jugendbericht 2009: Ein neuer Blick auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und alte Konflikte um die Bedeutung jugendpsychiatrischer Diagnostik in der Jugendhilfe?
 21

1.1.7
Vierzehnter Kinder- und Jugendbericht 2013: Die Kinder- und Jugendhilfe ist in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen und muss in „neuer Verantwortung“ gestaltet werden – aber Vorsicht vor einer „Mediatisierung“ auch in der Diagnostik Erstes Zwischenfazit: Diagnostik und Fallverstehen im Spiegel der Jugendberichte des Bundes
 22









Erstes Zwischenfazit: Diagnostik und Fallverstehen im Spiegel der Jugendberichte des Bundes
 24







1.2
Sozialpädagogische Fachdiskurse zu Diagnostik und Fallverstehen
 25

1.3
Die Professionalisierung Sozialer Arbeit seit 1980
 26

1.4
Konzeptionen und Verfahren für Fallverstehen und Diagnostik in Sozialer Arbeit und Jugendhilfe seit 1990
 29

1.4.1
Burkhard Müller: Multiperspektivische Fallarbeit
 29

1.4.2
Fritz Schütze: Die Fallanalyse und ethnografische Fallarbeit
 32

1.4.3
Klaus Mollenhauer und Uwe Uhlendorff: Sozialpädagogische Diagnosen
 33

1.4.4
Uwe Uhlendorff, Stephan Cinkl und Thomas Marthaler: Sozial pädagogische Familiendiagnosen
 35

1.4.5
Viola Harnach: Psychosoziale Diagnostik in der Kinder- und Jugendhilfe
 37

1.4.6
Bayerisches Landesjugendamt: Sozialpädagogische Diagnose
 38

1.4.7
Kaspar Geiser: Problem- und Ressourcenanalyse in der Sozialen Arbeit
 39

1.4.8
Peter Löcherbach, Hugo Mennemann und Thomas Hermsen: Case Management in der Kinder- und Jugendhilfe
 41

1.4.9
Sabine Ader, Monika Thiesmeier und Christian Schrapper: Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen
 43

1.4.10
Michael Langhanky: Handeln ohne Diagnostik
 48

1.4.11
Silke Birgitta Gahleitner: Biopsychosoziale Diagnostik in der Kinder- und Jugendhilfe
 50

1.5
Konferenzen und Tagungen, Handbücher und Überblicke
 51

1.6
Aktuelle Positionen und Beiträge zu einer Diagnostik in der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik
 54

1.6.1
Kontroverse um den Nutzen rekonstruktiver Fallanalysen
 54

1.6.2
Klassifikation oder Fallverstehen? Beiträge im Archiv für Wissen schaft und Praxis der sozialen Arbeit 2010
 54

1.6.3
Grundfragen sozialpädagogischer Diagnostik. Beiträge in der Zeitschrift für Sozialpädagogik 2011
 56

1.6.4
Bernhard Rauh: Sozialpädagogische Diagnostik im Handlungsfeld Kinder- und Jugendhilfe. Beitrag in der Neuen Praxis 2010
 58

1.6.5
Maja Heiner: Diagnostik in der Sozialen Arbeit. Beitrag im Handbuch Soziale Arbeit 2011
 59

1.6.6
Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik, vormals Verein für Kommunal wissen - schaften
 60

1.6.7
Diagnostik in der Jugendhilfe – Themenheft der Zeitschrift Jugendhilfe 2013 Zweites Zwischenfazit: Aktueller Stand der Kontroversen um diagnostische und fallverstehende Konzepte und Verfahren in der Sozialen Arbeit und der Kinder- und Jugendhilfe
 60









Zweites Zwischenfazit: Aktueller Stand des Kontroversen um diagnostische und fallverstehende Konzepte und Verfahren in der sozialen Arbeit und der Kinder- und Jugendhilfe 
 62







2
Die Einschätzung der Bedeutung von Geschwisterbeziehungen im Fallverstehen, in der Diagnostik und im Assessment im Feld der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere in der stationären Erziehungshilfe
 67







2.1
Entscheidungsorientiert-legitimatorische Verfahren und Instrumente
 67

2.2
Biografisch-rekonstruktive Verfahren
 69

2.3
Systemisch-konstruktivistische Verfahren und Instrumente
 71

2.4
Beziehungsanalytisch-inszenierende Verfahren Drittes Zwischenfazit: Der Blick auf die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen in diagnostischen und fall - verstehenden Verfahren in der Kinder- und Jugendhilfe
 74









Drittes Zwischenfazit: Der Blick auf die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen in diagnostischen und fallverstehenden Verfahren in der Kinder- und Jugendhilfe
 75







3
Psychologische Testverfahren und Diagnoseinstrumente und ihr Blick auf die Geschwisterbeziehungen
 77







3.1
Instrumente für die Einschätzung und Bewertung von Beziehungs- und Entwicklungskonflikten („measure of conflicts in an intimate relationship“)
 78

3.1.1
Die Conflict Tactics Scales (CTS)
 78

3.1.2
Die Parent-Child-Version (CTS-PC)
 78

3.2
Instrumente für die Einschätzung von Verhaltensproblemen, emotionalen Schwierigkeiten und sozialen Beziehungen von Kindern
 79

3.2.1
Die Child Behavior Checklist (CBCL)
 81

3.2.2
Das Adaptive Social Behavior Inventory (ASBI)
 82

3.2.3
Das Eyberg Child Behavior Inventory (ECBI)
 82

3.3
Projektive Instrumente und Verfahren
 83

3.3.1
Der Scenotest
 84

3.3.2
Der Schwarzfuß-Test (SF-Test)
 85

3.3.3
Der Familien-Beziehungs-Test (F-B-T)
 86

3.3.4
Der Children’s Apperception Test (CAT)
 87

3.4
Instrumente zur Einschätzung der familiären Bedingungen und der häuslichen Umgebung
 87

3.4.1
Home Observation for Measurement of the Environment (HOME)
 87

3.4.2
Supplement to the HOME for Impoverished Families (SHIF)
 88

3.5
Instrumente und Verfahren zur Erfassung familiärer Systeme
 88

3.5.1
Das Familienbrett
 89

3.5.2
Der Familiensystemtest (FAST)
 90

3.5.3
Der Familien- und Kindergarten-Interaktions-Test (FIT-KIT)
 90

3.5.4
Die Familie in Tieren
 91

3.5.5
Die verzauberte Familie Viertes Zwischenfazit: Psychologische Testverfahren zur Einschätzung der Bedeutung von Geschwisterbeziehungen
 93

3.6
Exkurs: Ein Blick über den Zaun – die Erprobung von Instrumenten für eine Diagnostik von Geschwisterbeziehungen bei SOS-Kinderdorf Frankreich
 95







4
Die Bedeutung von Geschwisterbeziehungen in der Entscheidungspraxis der Jugendhilfe – Befunde einer Aktenanalyse
 99







4.1
Analyseraster für die Durchsicht der Jugendamtsakten
100

4.2
Geschwister in Jugendamtsakten – die Fallkonstellationen im Stichprobensample
102

4.3
Die Wahrnehmung von Geschwistern in den Akten
104

4.4
Diagnostische Instrumente
105

4.5
Aktenführung
107

4.6
Zusammenfassung der Befunde aus der Querschnittanalyse
107

4.7
„Daniel“ – ein Fallbeispiel im Spiegel der Jugendamtsakte
108

4.8
Was der Fall „Daniel“ exemplarisch zeigt Fünftes Zwischenfazit: Die Ergebnisse der Aktenanalyse im Überblick
112









Fünftes Zwischenfazit: Die Ergebnisse der Aktenanalyse im Überblick
114







5
Gesamtfazit: Viele Diagnosekonzepte in der Praxis der Jugendhilfe, kein Fokus auf der Bedeutung von Geschwister -beziehungen – was ist zu tun?
116









Literatur
119



Der Autor und die Autorin
142



Der Herausgeber
143


Autoren

Prof. Dr. phil. Christian Schrapper

Jahrgang 1952, Sozialarbeiter (grad.), Diplompädagoge, seit 1998 Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik an der Universität Koblenz-Landau in Koblenz. Arbeitsschwerpunkte: Geschichte, Theorie und Methoden Sozialer Arbeit, insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe. (Stand der Veröffentlichung 2013)

Michaela Hinterwälder

Jahrgang 1969, Diplompädagogin, Erzieherin, von 2007 bis 2011 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Pädagogik, Arbeitsbereich Sozialpädagogik, an der Universität Koblenz-Landau; seit November 2011 Referentin in der Abteilung Kindertageseinrichtungen beim Caritasverband für die Diözese Trier e.V. Arbeitsschwerpunkte: Kinder- und Jugendhilfe, Kinderschutz, Geschwisterforschung, Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen. (Stand der Veröffentlichung 2013)

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