Ressourcen, Belastungen und pädagogisches Handeln in der stationären Betreuung von Geschwisterkindern

Band 14 der SPI-Materialien

ISBN: 978-3-936085-78-5
ISSN: 1868-2790
Schutzgebühr 17,50 €

Beschreibung

Im Rahmen des Forschungsschwerpunktes "Geschwister in der stationären Erziehungshilfe" des SOS-Kinderdorf e.V. hat ein wissenschaftliches Team der Universität Siegen die Sicht auf das Innenleben von Geschwisterbeziehungen in der Fremdunterbringung freigelegt. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus fünf Geschwistergruppen in drei deutschen SOS-Kinderdörfern wurden dafür befragt. Sie alle haben von ihren Erfahrungen in ihren Herkunftsfamilien und von ihren Erlebnissen beim Übergang in die stationäre Unterbringung berichtet. Ausführlich haben sie über das Leben im SOS-Kinderdorf gesprochen. Geschwister, von denen sie getrennt leben müssen, spielen in ihren Erzählungen eine wesentliche Rolle. So ist ein facettenreiches Bild der Situationen und Bedürfnisse von Geschwistern in den stationären Erziehungshilfen entstanden. Die Perspektiven der SOS-Kinderdorfmütter runden dieses Bild ab.

In Band 14 der SPI-Materialien kommen die jungen Menschen selbst zu Wort. Dabei wird deutlich, wie vielfältig ihre Beziehungen sind und wie sehr Geschwister sich gegenseitig eine Stütze sein können, wenn sie von ihrer Familie getrennt leben müssen.

Die beiden Autorinnen und der Autor geben zahlreiche Hinweise für eine förderliche pädagogische Praxis bei der Begleitung von Geschwistern und ordnen die Forschungsergebnisse in die Kontexte von Wissenschaft und Praxis ein.

Corinna Petri, Kristina Radix und Klaus Wolf

Herausgegeben vom Sozialpädagogischen Institut

des SOS-Kinderdorf e.V.

München 2012, Eigenverlag


Inhaltsverzeichnis

SPI-Materialien "Geschwister in der stationären Erziehungshilfe"

       6

Vorwort

   9
Klaus Wolf und Corinna Petri

1

Einleitung

  11

Befunde zum Geschwisterthema aus eigener Forschung und Lehre

  11

Forschungskooperation und Projektbeteiligte

  12

Forschungsinteresse

  13
Kristina Radix und Corinna Petri
  2

Theorie und Methode

  17
2.1   

Theoretische Zugänge

  17
2.1.1  

Die Belastungs-Ressourcen-Balance

  17
2.1.2

Einflussfaktoren von und auf Geschwisterbeziehungen

  18

Komplexitätserweiterung unter den besonderen Bedingungen der Fremdbetreuung

  19

2.2

Forschungsdesign und methodische Zugänge

  22
2.2.1

Forschungsinteresse

  22

Rekonstruktion sozialer Wirklichkeiten

  22

Datenerhebung

  24
2.2.2

Die Perspektive der Geschwisterkinder

  26

Biografische Interviews

  26

Interviews mit Kindern

  27

Der Lebenszeitstrahl

  28

Das Familienbrett

  29
2.2.3

Die Perspektive der Kinderdorfmütter

  30

Narrative Interviews mit Expertinnen und Experten

  32
2.2.4

Datenauswertung

  32

Datenaufbereitung

  32

Einzelfallanalysen und Synthesenbildung

  33

Darstellung der Ergebnisse

  34
Kristina Radix
3

Geschwisterlichkeit im Lebensverlauf – einige Impressionen

  35
Corinna Petri
4

Geschwisterbeziehungen in der stationären Erziehungshilfe – biografische Stationen und spezifische Konstellationen

  40
4.1  

Die Geschwisterbeziehungen in der Zeit vor der Kinderdorffamilie

  41
4.1.1  

Kompensatorisch unterstützende Geschwisterbeziehungen in chaotisch-vernachlässigenden Familienstrukturen

  41
 

Überlebenssicherung und emotionale Zuwendung

  42

Entwicklung sozialer Kompetenzen

  45
4.1.2

Konflikthaft rivalisierende Geschwisterbeziehungen in aggressiv-kontrollierenden Familienstrukturen

  47

Paarkonflikte der Eltern und schlechte ökonomische Bedingungen

  47

Eltern-Kind-Beziehung

  50
4.2

Übergänge an einen neuen Lebensort – die Sicht der Kinder

  52
4.2.1

Plötzliche, überrumpelnde Übergänge

  53

"Wir sind zerrissen worden"

  53

"Aber wenigstens war eine bekannte Person dabei"

  54

"Die haben uns unter den Arm gepackt und ins Auto geschleppt"

  56
4.2.2

Der Übergang als geplanter Prozess

  58

"Dann waren wir erst mal wieder richtig alle beieinander"

  59

Hinweise für eine entwicklungsfördernde Praxis

  61
4.3

Geschwisterkonstellationen in SOS-Kinderdörfern

  62
4.3.1

Leibliche (Halb-)Geschwister in einer Kinderdorffamilie

  62

Die Geschwisterbeziehung als Ressource und Chance für die Entwicklung der einzelnen Kinder und für den pädagogischen Prozess

  63

Halt und Unterstützung bei Neuorientierungen

  63

Familie leben

  64

Rollen und Rollenwandel im Prozess

  66

Zusammenhalt und Rückhalt unter Geschwistern

  69

Erleichterte Erziehungsprozesse

  70

Die Geschwisterbeziehung als Belastung: Risiken für die Entwicklung der einzelnen Kinder

  71

Fortsetzung verinnerlichter Rollenmuster

  71

Rückführung einzelner Kinder: "Wo gehöre ich hin? Werden wir getrennt?"

  73

Unterschiedliche Bedürfnisse nach Kontakt mit den Herkunftseltern

  75

Auszug aus der Kinderdorffamilie

  78

Hinweise für eine entwicklungsfördernde Praxis

  84
4.3.2

Verschiedene Geschwister(teil)gruppen in einer Kinderdorffamilie

  85

Die Geschwisterbeziehung als Ressource und Chance für die Entwicklung der einzelnen Kinder und für den pädagogischen Prozess

  86

Aufbau und Entwicklung neuer Beziehungen

  86

Entwicklung von Geschwisterlichkeit

  88

Nutzen von Konstellationseffekten

  89

Die Geschwisterbeziehung als Belastung: Risiken für die Entwicklung der einzelnen Kinder

  90

Übertragungsphänomene

  91

Statuserschütterungen

  93

Krisen im Herkunftssystem

  94

Hinweise für eine entwicklungsfördernde Praxis

  96
4.3.3

Geschwister innerhalb eines Kinderdorfes in verschiedenen Kinderdorffamilien

  96

Nachgeborene Geschwister werden im Kinderdorf aufgenommen

  97

Initiierung und Verselbstständigung von Besuchskontakten

  98

Schwierigkeiten bei der Kontaktgestaltung

  99

Alter und Entwicklungsprozesse als bedeutende Einflussfaktoren

100

Die andere Kinderdorffamilie als wichtiger Bezugsort

101

Aufteilung von Geschwisterkindern auf verschiedene Kinderdorffamilien

102

Gemeinsame Familienarbeit

104

Zuverlässige Besuchsregelungen als wichtige Orientierungsressource

105

Die Geschwisterbeziehung als Brücke zwischen zwei Lebenswelten

105

Reduzierung von Konfliktpotenzial und individuelle Förderung

106

Geschwisterkontakte im Kinderdorf

107

Option der Selbststeuerung

108

Die Kinderdorffamilie als Lernfeld für neue Verhaltensmuster

108

Hinweise für eine entwicklungsfördernde Praxis

109
4.4

Getrennt lebende Geschwister

110
4.4.1

Nach einer gemeinsamen Zeit

111

Sehnsucht und Entfremdung

111

Negative Erklärungsstrategien

113

Kehren Geschwister zu den Eltern zurück, schlagen die Gefühle Wellen

114

Ältere Geschwister als Brücke zur Herkunftsfamilie

117
4.4.2

Nachgeborene Geschwister

119

Abhängigkeit von Elternkontakten

119

Ambivalenzen: Zwischen Sehnsucht und Wut

119

Wie ein Fremder

124

Chancen und Risiken aktiver Geschwisterarbeit

125

Hinweise für eine entwicklungsfördernde Praxis

128
4.5

Geschwisterbeziehungen nach der Zeit in der Kinderdorffamilie

129
4.5.1

Geschwister als besondere Informationsquelle

130
4.5.2

Durch Höhen und Tiefen

131

Differenzen, die zur Distanzierung führen

132

Neue Lebenswege und Wiederannäherung

134

Auch wenn der Kontakt mal abbricht, Geschwister sind immer wichtig

135
4.5.3

Die Kinderdorffamilie als "Mutterhaus": Anlaufstelle und Ort der Begegnung

135

Familie ist da, wo sich die Geschwister geborgen fühlen

136

Die Kinderdorfmutter als Verbindungsperson zwischen den Geschwistern

138

Familienfeste im Kreis der Geschwister

139

"Es hat was von Normalität mittlerweile"

139

Verbundenheit über das Leben im Kinderdorf hinaus

140

Hinweise für eine entwicklungsfördernde Praxis

140
Klaus Wolf
  5 

Einordnung der Ergebnisse in die Kontexte von Wissenschaft und Praxis

142
5.1  

Theoretische Anschlüsse an das Geschwisterthema

142

Geschwisterlichkeit als soziale Konstruktion

142

Geschwisterlichkeit als Thema der Identitätsentwicklung

144

Geschwisterschaft als Form der Sozialisation unter Gleichaltrigen

145

Geschwister als Ressource in fraktionierten Lebensläufen

147

Resilienz herstellen durch Austarieren von Belastungs- und Schutzfaktoren

147
5.2  

Konsequenzen für die Weiterbildung und Qualitätsentwicklung

148
 

Allmähliche Veränderung der Geschwisterbeziehungen entsteht in Koproduktion

149

Das Geschwisternetzwerk stärken und fördern

150

Gute Platzierungsentscheidungen treffen

150

Sich zu Geschwisterbeziehungen fortbilden

150

Kinder ernst nehmen

151
Anmerkungen 152
Literatur 154
Die Autorinnen und der Autor 160
Der Herausgeber 161

Autoren

Corinna Petri

Jahrgang 1981, Diplomsozialpädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Pflegekinder an der Universität Siegen, Department Erziehungswissenschaft und Psychologie in der Fakultät Bildung, Architektur, Künste. Arbeitsschwerpunkte: Forschung zu Geschwisterbeziehungen im Hinblick auf das Aufwachsen unter ungünstigen Bedingungen und die besondere Situation der Fremdunterbringung; stationäre Erziehungshilfe und Inobhutnahme; Mitgründerin des Arbeitskreises „Forum Start" bei der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen. (Stand der Veröffentlichung 2012)

Kristina Radix

Jahrgang 1975, Diplomsozialpädagogin, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe Pflegekinder an der Universität Siegen, Department Erziehungswissenschaft und Psychologie in der Fakultät Bildung, Architektur, Künste. Arbeitsschwerpunkte: Forschung zu Geschwisterbeziehungen im Hinblick auf das Aufwachsen unter ungünstigen Bedingungen und die besondere Situation der Fremdunterbringung; ambulante und stationäre Hilfen zur Erziehung; Eltern- und Familienarbeit. (Stand der Veröffentlichung 2012)

Prof. Dr. phil. Klaus Wolf

Jahrgang 1954, Diplomsozialpädagoge, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Siegen, Department Erziehungswissenschaft und Psychologie in der Fakultät Bildung, Architektur, Künste; zuvor Leiter einer Jugendhilfeeinrichtung in Hamburg, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fachhochschule Neubrandenburg und Professor für Sozialpädagogik an der Fachhochschule Köln. Arbeitsschwerpunkte: Forschung zum Aufwachsen unter ungünstigen Bedingungen, insbesondere in hoch belasteten Familien, in Heimen und Pflegefamilien; Biografien und sozialpädagogische Interventionen; Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialpädagogik. (Stand der Veröffentlichung 2012)

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