lachende Kinder aus aller Welt

Qualitätsarbeit im internationalen Kontext

Schutz für Kinder über Grenzen hinaus

SOS-Kinderdorf engagiert sich weltweit für die Rechte von Kindern. Ob durch den Dachverband SOS-Kinderdorf International, ob in den einzelnen Ländern, in denen SOS-Kinderdorf Einrichtungen unterhält, oder ob durch Vertretung in internationalen Gremien, die Organisation leistet auf verschiedenen Ebenen und über Landesgrenzen hinaus qualitätsvolle Arbeit im Dienste des Kinderschutzes und der Kinderrechte. Qualitätsarbeit von SOS-Kinderdorf findet in folgenden internationalen Kontexten statt:

UN-Kinderrechtskonvention

UN

Zu den sechs Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen gehört seit über 20 Jahren die UN-Kinderrechtskonvention (UN-KRK). In 54 Artikeln drückt sie Grundwerte zum Umgang mit Kindern, zu deren Schutz und deren Beteiligung aus. Dabei lassen sich die Kinderrechte in drei Kategorien fassen:

  • Versorgungsrechte, wie das Recht auf Gesundheitsversorgung, Bildung, angemessene Lebensbedingungen, einen Namen und eine Staatsangehörigkeit
  • Schutzrechte, wie beispielweise der Schutz vor körperlicher und seelischer Gewalt, vor Missbrauch, Verwahrlosung, wirtschaftlicher Ausbeutung sowie die Verpflichtung der Staaten, Kindern im Krieg und auf der Flucht besonderen Schutz zu bieten
  • Kulturelle Rechte, Informations- und Beteiligungsrechte, wie das Recht auf Meinungsfreiheit und Gehör, auf freien Zugang zu Informationen und Medien sowie das Recht auf Freizeit und Privatsphäre.

Vor 20 Jahren hat sich die Bundesrepublik Deutschland durch die Ratifizierung der UN-KRK dazu verpflichtet, die in der Konvention garantierten Rechte in nationales Recht umzusetzen. Die UN-KRK ist für den deutschen SOS-Kinderdorfverein elementare Wertebasis für die Arbeit mit Kindern. Viele Qualitätsstandards und Richtlinien bauen auf dieser Grundlage auf und präzisieren sie im jeweiligen Zusammenhang der vielfältigen pädagogischen Angebote.

National Coalition Deutschland – Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention e.V.

Im Jahr 1995 schlossen sich über 100 Organisationen, Verbände und Institutionen zur National Coalition (NC) für die Umsetzung der UN-KRK in Deutschland zusammen. Auch der SOS-Kinderdorf e.V. arbeitet in der NC mit. Gemeinsames Ziel ist es, in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen einen breiten fachlichen Dialog über die Verwirklichung der UN-KRK zu organisieren.

Einer der jüngsten Erfolge in der Arbeit der NC war es dazu beizutragen, dass die Bundesregierung im Jahr 2010 ihre Vorbehaltserklärung gegenüber der Kinderrechtskonvention zurückgenommen hat. Demnach entfallen die bis zu dem Zeitpunkt bestehenden rechtlichen und praktischen Hindernisse, die Kinderrechtskonvention uneingeschränkt umzusetzen. So sollten fortan die in der UN-KRK definierten Rechte für alle in Deutschland lebenden Kinder gelten, also auch beispielsweise für minderjährige Flüchtlinge. Die National Coalition Deutschland wacht und mahnt über die tatsächliche Umsetzung und Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland und sammelt Stellungnahmen ihrer Mitgliedsorganisationen zur Prüfung der tatsächlichen Sachlage. Der SOS-Kinderdorf e.V. beteiligte sich zuletzt mit einer Stellungnahme zum Thema Flüchtlingskinder, die zum Teil ohne elterliche Begleitung in Deutschland leben und denen sich der Verein mit einigen seiner Angebote annimmt.

Die Bundesregierung ist gemäß Artikel 44 UN-KRK verpflichtet, regelmäßig über die Fortschritte und Hindernisse bei der Verwirklichung der Kinderrechte in Deutschland an die Vereinten Nationen zu berichten. Die NC erstellt parallel dazu einen Ergänzenden Bericht für den UN-Ausschuss, den sogenannten Schattenbericht, in dem zu allen Punkten eine Klarstellung aus Sicht der politisch unabhängigen Kinder- und Jugendhilfeorganisationen geleistet wird. Der aktuelle Schattenbericht aus dem Jahr 2010 benennt zahlreiche Mängel bei der Umsetzung der Kinderrechtskonvention in der Bundesrepublik und formuliert Forderungen an die Politik. Zum ersten Mal entstand der Ergänzungsbericht unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, die ihre Anliegen persönlich vor dem UN-Ausschuss vortragen konnten.

UN-Guidelines for the Alternative Care of Children

Richtlinien für die alternative Betreuung von Kindern

Während die UN-KRK die Rechte der Kinder im Allgemeinen beschreibt, sahen viele internationale Jugendhilfeorganisationen einen Handlungsbedarf für die Erstellung einer Konvention für Kinder, die ohne elterliche Betreuung leben oder Gefahr laufen, die elterliche Betreuung zu verlieren. SOS-Kinderdorf International war eine der führenden Organisationen in der Entwicklung dieser Richtlinien und eine der treibenden Kräfte für deren offizielle Verabschiedung, die zum 20. Jahresjubiläum der UN-KRK im Jahr 2009 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York stattfand.

Kinder, die ohne elterliche Betreuung aufwachsen oder Gefahr laufen, diese zu verlieren, brauchen besondere Unterstützung, wenn es um ihr Recht auf Betreuung, Bildung und Zugang zu medizinischer Versorgung geht. Eine entsprechende Richtlinie sollte laut dem Generalsekretär von SOS-Kinderdorf International, Richard Pichler, sicherstellen, „dass auf die häufig hochkomplexe und sensible Lage von Kindern ohne elterliche Betreuung oder auf prekäre Familiensituationen adäquat reagiert wird.“ Dadurch kann also den betroffenen Kindern in ihrer Situation auch der besondere Schutz zugute kommen, der in jedem einzelnen Fall notwendig ist. Gleichzeitig wird den Jugendhilfeorganisationen ein übergreifender Qualitätsstandard an die Hand gegeben, der den speziellen Unterstützungsrahmen für Kinder in besonderen Lagen beschreibt, an dem sie sich orientieren und auf den sie aufbauen können.

In den Richtlinien wird in erster Linie betont, dass alles unternommen werden muss, um gefährdete Familien zu stärken, damit Kinder in ihrer familiären Umgebung verbleiben können. Erst wenn dies im Sinne des Kindeswohls nicht mehr möglich ist, soll ein Kind fremduntergebracht werden. Die gewählte Betreuungsform und Betreuungsdauer muss dann den spezifischen Bedürfnissen und Interessen jedes einzelnen Kindes am besten entsprechen, und Aspekte berücksichtigen wie die gemeinsame Unterbringung von Geschwistern, die Möglichkeiten der Rückführung in die Herkunftsfamilie oder die Befähigung von jungen Menschen. SOS-Kinderdorf verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Familienförderung und der familienähnlichen Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Die UN-Guidelines spiegeln fest etablierte Standards der im SOS-Kinderdorf praktizierten Arbeit wider und geben den einzelnen Ländervereinen eine Grundlage für die Erarbeitung weiterer spezifischer Qualitätsstandards für die Betreuung von fremduntergebrachten Kindern.

Quality4Children-Standards

Quality4Children ist ein internationales Gemeinschaftsprojekt mit Beteiligung von SOS-Kinderdorf, das in einer bislang einzigartigen Initiative Qualitätsstandards für die Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen entwickelt hat. Daran wirkten Kinder, Jugendliche, Eltern, Betreuungspersonen und Fachleute aus 32 europäischen Ländern mit. Die beteiligten Personen wurden nach den Bedingungen befragt, die fremduntergebrachten Kindern und Jugendlichen auf der Grundlage der UN-KRK die besten Entwicklungschancen gewährleisten. Aus den Ergebnissen wurden 18 Qualitätsstandards erarbeitet. Sie fordern unter anderem, Kinder am Entscheidungsprozess für die Unterbringung außerhalb der Familien zu beteiligen, Geschwister gemeinsam zu betreuen und den Kontakt der Kinder mit ihren Herkunftsfamilien zu sichern. Die Qualitätsstandards behandeln unterschiedliche Phasen der Fremdunterbringung: 6 Standards gehen auf den Entscheidungs- und Aufnahmeprozess ein, 14 Standards auf den Betreuungsprozess und 4 Standards widmen sich dem Verselbständigungsprozess.  

Quality4Children wurde von drei internationalen Fachorganisationen getragen: dem Dachverband SOS-Kinderdorf International (SOS-KDI), der International Foster Care Organisation (IFCO), einem  internationalen Netzwerk zur Unterstützung von Pflegefamilien, und der Fédération Internationale des Communautés Educatives-Europe (FICE), dem europäischen Fachverband für erzieherische Hilfen.

Grundsatzpapier Kinderschutz 

SOS-Kinderdorf widmet sich als weltweit agierende Organisation dem Kinderschutz in allen seinen Ländervereinen. Dazu brachte der Dachverband SOS-Kinderdorf International (KDI) im Mai 2008 seine Kinderschutzrichtlinien heraus, ein Papier, in dem die Grundsatzgedanken der Organisation zum Kinderschutz an zentraler Stelle zusammengefasst sind. Die Richtlinien sind für alle Mitgliedervereine bindend und es ist vorgesehen, dass die einzelnen Länder eigene Grundsatzpapiere auf Basis der KDI-Kinderschutzrichtlinien sowie auf Basis der eigenen Arbeitspraxis entwickeln.

Der SOS-Kinderdorf e.V. in Deutschland kam dieser Forderung nach und erarbeitete ein 11-seitiges Papier, in dem zunächst der Begriff des Kinderschutzes definiert wird. Des Weiteren werden Aspekte beleuchtet, wie der Kinderschutzgedanke in der pädagogischen Praxis von SOS-Kinderdorf umgesetzt wird: Kinderschutz bedeutet demnach auch Gefährdungsprophylaxe und Prävention von Misshandlung, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung. Und es geht um die Einhaltung der internationalen Kinderrechte sowie um die Durchführung einer Pädagogik, die dem Kindeswohl am besten entspricht, und die die Rechte von Kindern auf Bildungs- und Entwicklungschancen impliziert. Dies bezieht sich sowohl auf die Herkunftsfamilien der in der Obhut von SOS-Kinderdorf lebenden jungen Menschen, als auch auf die Mitarbeiter/-innen des Vereins. Das Grundsatzpapier mündet in einer Leitlinie, die den Fachkräften von SOS-Kinderdorf eine Orientierung bei der konkreten Umsetzung des Kinderschutzgedanken geben soll.

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