Das Qualitätsentwicklungsverfahren des SOS-Kinderdorf e.V.

Maximaler Nutzen für die Menschen

Anders als in der Industrie, wo standardisierte Herstellungsverfahren von Produkten eine standardisierte Qualitätsprüfung ermöglichen, muss in der pädagogischen Arbeit stets neu definiert werden, was als Qualität gelten soll. Auch im SOS-Kinderdorf e.V. wird mittels eines systematischen Verfahrens die Qualität der erbrachten Leistungen überprüft und kontinuierlich weiterentwickelt. Dabei sieht der Verein die Qualität der pädagogischen Arbeit vor allem in der Beziehungsarbeit und der gelingenden Interaktion zwischen Mitarbeiter/-innen und den betreuten Menschen.  

Qualitätsentwicklung in der pädagogischen Arbeit nach dem GAB-Verfahren

Der Verein begab sich vor 10 Jahren auf die Suche nach einem geeigneten Verfahren zur Qualitätsentwicklung. Dazu entstand ein Kriterienkatalog, der bis heute auch Ziele der Qualitätsarbeit widerspiegelt. Demnach gilt das Verfahren als geeignet, wenn

  • maximaler Nutzen für die Klienten gegeben ist
  • es im pädagogischen Alltag für die jeweilige Aufgabenstellung stimmig anwendbar ist
  • Mitarbeiter/-innen beteiligt werden bei der Entwicklung von Qualität  und Erarbeitung der Qualitätsstandards
  • es in der sozialen Arbeit anerkannt ist
  • es zeitliche und finanzielle Ressourcen schont, also zum Beispiel in das vorhandene Besprechungswesen integrierbar ist
  • es Umsetzungsmöglichkeiten von Trägervorgaben und Standards etc. bietet.

Eine eigens geschaffene Arbeitsgruppe im Verein fand mit der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung in München (GAB) den passenden Partner für die Entwicklung seiner Qualitätsarbeit. Das ursprünglich für kleinere Einrichtungen erarbeitete Verfahren wurde weiterentwickelt und für den SOS-Kinderdorf e.V. angepasst. Während Qualitätsarbeit nach dem GAB-Verfahren dem Bottom-up-Prinzip folgt, also primär von den Mitarbeitern/-innen einer Einrichtung gestaltet wird, muss es bei einem bundesweit agierenden und großen Jugendhilfeträger wie dem SOS-Kinderdorfverein auch möglich sein, die pädagogischen Inhalte in den einzelnen Einrichtungen einheitlich zu steuern und zu verifizieren. Dies geschieht über Leitlinien, an denen sich die Mitarbeiter in ihrem pädagogischen Handeln orientieren können und über Rahmenvorgaben, in denen Mindeststandards zur konkreten Umsetzung dieser Leitlinien festgelegt sind.

Wie gestaltet sich das Qualitätsverfahren in der Anwendung?

Heute arbeiten alle Mitarbeiter/-innen der 44 Einrichtungen und der Geschäftsstelle des SOS-Kinderdorfvereins nach dem eigens angepassten Qualitätsverfahren.

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Auf der einen Seite beschreiben Leitbild, Konzepte und Handlungsleitlinien auf verschiedenen Abstraktionsebenen die Qualität der Arbeit, die idealer Weise erreicht werden soll, d.h. hier werden die Qualitätsziele formuliert. Leitungskräfte und Mitarbeiter/-innen setzen sich in diesem Zusammenhang intensiv damit auseinander, was sie mit ihren Angeboten bzw. der pädagogischen Arbeit erreichen wollen und verständigen sich auf gemeinsame Vorgehensweisen.

Auf der anderen Seite vollzieht sich fortlaufend die Umsetzung der Qualitätsarbeit in die Alltagspraxis. Im Rahmen der Praxisüberprüfung evaluieren die Teams ihre Arbeit und klären, inwiefern sie ihre Qualitätsziele erreicht haben. Sie machen konkrete Verbesserungsvorschläge und vereinbaren ggf. ihre Arbeitsweisen neu. Bei der systematischen Evaluation werden die Einschätzungen aus den Praxisüberprüfungen objektiviert, indem zum Beispiel durch Befragungen von Betreuten und Kooperationspartnern gezielt Daten erhoben, interpretiert und nach klaren Kriterien bewertet werden. Gleichzeitig unterstützen sich die Mitarbeiter/-innen in ihrem Arbeitsalltag gegenseitig, durch Feedback, Hospitationen, Mentorenschaft, Supervision und durch kollegiale Beratung.

Schulung der Fachkräfte und kontinuierliche Weiterentwicklung des Verfahrens

Qualitätsarbeit im SOS-Kinderdorfverein vollzieht sich in der Verantwortung jeder Einrichtung und jeder Abteilung, sie wird jedoch gleichzeitig zentral und übergreifend koordiniert, evaluiert und weiterentwickelt. Hierfür sind Referenten/-innen der Geschäftsstelle zuständig, die die fachliche Begleitung der Einrichtungen übernehmen. Die Selbstevaluationen einer Einrichtung werden so durch die Wahrnehmung von Personen ergänzt, die nicht unmittelbar zum Einrichtungssystem gehören und dadurch die Trägerperspektive des gesamten Vereins vertreten.

Neben den einführenden Schulungen, die Mitarbeiter/-innen von SOS-Kinderdorf e.V. absolvieren, ist es dem Verein ein Anliegen die Qualitätsarbeit lebendig zu halten. Deshalb finden regelmäßig sogenannte Qualitätstage statt, um einen vereinsweiter Austausch über gesammelte Erfahrungen mit dem Qualitätsentwicklungsverfahren zu ermöglichen und über Neuerungen und Weiterentwicklungen zu informieren. Für die Umsetzung in der jeweiligen Einrichtung und Abteilung sind Qualitätskoordinatoren und -moderatoren zuständig, die als Hüter des Verfahrens die Qualitätsarbeit vor Ort in Gang setzen und koordinieren. Für diese Aufgabe werden sie in regelmäßigen Abständen durch Referenten/-innen der Geschäftsstelle geschult.

Somit kommt der Nutzen der Qualitätsarbeit nicht nur der pädagogischen Arbeit und den Klienten von SOS-Kinderdorf zugute, sondern auch den Fachkräften selbst. Lesen Sie mehr zur systematischen Qualitätsarbeit aus Sicht der Mitarbeiter/-innen von SOS-Kinderdorf e.V.

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