2004_DJHT

Mit mehr als 30.000 Besucherinnen und Besuchern zeigte der Deutsche Jugendhilfetag auch dieses Mal, dass er einer der größten Fachkongresse der Kinder- und Jugendhilfe in Europa ist. SOS präsentierte sich unter dem Motto "Kompetenz in Vielfalt" auf der dazu gehörigen Fachmesse drei Tage lang dem Publikum. MitarbeiterInnen der Einrichtungen und der Geschäftsstelle übernahmen gemeinsam die Standbetreuung. Viele Messebesucherinnen und -besucher nutzen die Gelegenheit, sich über die Angebote des SOS-Kinderdorf zu informieren. Bei ihrem Eröffnungsrundgang besuchten auch Bundesfamilienministerin Renate Schmidt und der Ministerpräsident von Niedersachsen, Christian Wulff, den Stand.
Unter dem Titel "Leben lernen" wurden in über 200 Fachveranstaltungen Entwicklungen und Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe diskutiert. Das Fachforum "Was Kinder wünschen – Perspektiven familienähnlicher Unterbringung in Europa", das vom SPI durch-geführt wurde, war gut besucht und brachte anregende Diskussionen.

In verschiedenen Fachveranstaltungen wurde die demographische Entwicklung zum Thema gemacht. Bis zum Jahr 2015 ist mit einem Rückgang von Kindern zu rechnen, die Anzahl der Jugendlichen nimmt aber zunächst weiter zu, beziehungsweise bleibt stabil. Als genereller Trend ist bei zurückgehenden Kinderzahlen mit einer Entlastung von Regelangeboten wie Kindergarten und (Grund-)Schule zu rechnen. Bei den meisten Angeboten der Jugendhilfe ist in den nächsten 10 Jahren jedoch kein wesentlicher Rückgang auf Grund der Bevölkerungsentwicklung zu erwarten. Diese Entwicklungen können allerdings nur bedingt als klein-räumige Steuerungsgröße dienen, da zum einen große regionale Unterschiede bestehen, zum anderen politische Strömungen und knappe Kassen wesentliche Einflussgrößen auch für die Jugendhilfeentwicklung darstellen. Restriktive Auslegungen der Pflichtaufgaben oder die Bundesratsinitiative zur Änderung des KJHG sind Beispiele hierfür.

Ein wichtiger Faktor für die Kinder- und Jugendhilfe ist die abzusehende Entwicklung, dass immer weniger Kinder in bildungsnahen Schichten aufwachsen, während die Zahl der Kinder, die in Familien mit geringem Bildungsniveau aufwachsen zunimmt. Ebenfalls ist damit zu rechnen, dass der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund zunimmt. In den Feldern der Kinder- und Jugendhilfe werden entsprechend die Anforderungen steigen, wenn sie noch mehr als bisher mit Mädchen und Jungen aus hochbelasteten soziale Verhältnissen und mit Migrationserfahrung zu tun hat – vermutlich bei gleichzeitig erhöhtem Kostendruck. Um die Kinder- und Jugendhilfe nicht stets nur als ständig steigenden Kostenfaktor zu begreifen, gibt es erheblichen Bedarf einer Veränderung der öffentlichen Wahrnehmung, wie Norbert Struck, stellvertretender Vorsitzender der AGJ, in seiner Abschlussrede sagte: "Die Kinder und Jugendhilfe muss endlich als Bereich gesellschaftlich dringender Zukunftsinvestition erkannt werden. Sie muss politisch als Produktivkraft für Zukunftskapital, für demokratische Integration und für soziale Gerechtigkeit bewertet werden." Hierfür wird noch viel Lobbyarbeit während und außerhalb der Jugendhilfetage nötig sein!

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