Nadine Polenz aus Jever wird SOS-Kinderdorfmutter in Worpswede

Vom Familienzentrum Süd ins SOS-Kinderdorf

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Nadine Polenz lächelt zufrieden. Das macht sie eigentlich die ganze Zeit. Kein Wunder: Die junge Frau hat gerade ihre Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bestens abgeschlossen und wird nun Kinderdorfmutter im SOS-Kinderdorf Worpswede.

„Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe“, sagt Polenz und sitzt dabei ein letztes Mal auf dem kleinen Tritt vor der Tür des grünen Bauwagens auf dem Banter Markt – wie Peter Lustig in der Kinderserie „Löwenzahn“.
Der Bauwagen gehört zum Familienzentrum Süd und wird für den „Kindertreff“ genutzt. Hier hat Nadine Polenz das Praxisjahr als Teil ihrer schulischen Ausbildung an der Berufsbildenden Schule Wittmund-Esens absolviert. Seit September 2012 sammelte sie an zwei Nachmittagen in der Woche praktische Erfahrungen, betreute Schulkinder aus der Südstadt.

Die Kinder können basteln, spielen und ihre Hausaufgaben machen. Und sie musizieren, seit Nadine Polenz eines Tages ihre Gitarre mitbrachte. Inzwischen gibt es sogar eine kleine Kindercombo.
Die junge Pädagogin machte daraus ihre Projektarbeit. Und da das Familienzentrum neben der Gemeinnützigen Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit vom SOS-Hilfeverbund betrieben wird, war der berufliche Werdegang geebnet.

© Die Bauwagencombo Kyrina Lütjen, Judith Boyaci, Nadine Polenz, Paula u. Henry Boyaci © Stephan Giesers vergrößern

Dass sie mit Kindern arbeiten und anderen Menschen helfen kann, sei immer ein großer Wunsch gewesen. „Für mich geht damit ein Traum in Erfüllung, das hätte ich vor einigen Jahren nicht für möglich gehalten“, sagt Nadine Polenz und erzählt von ihrem Leben, das nicht immer wie geplant verlief. Die 29-Jährige kommt aus Jever, wurde aber in Schleswig-Holstein geboren. Mit drei Jahren wurde sie adoptiert. Eine gute Kindheit habe sie bei ihren Adoptiveltern gehabt. Dennoch sei der Wunsch groß gewesen, die leiblichen Eltern kennenzulernen. Über eine Talkshow im Fernsehen suchte sie 2008 nach ihrer Mutter. Mit Erfolg. Zum leiblichen Vater hat sie bis heute keinen Kontakt. Der US-Soldat war in Deutschland stationiert und lebt heute wieder in den Vereinigten Staaten.

Ihre eigene Geschichte habe aber eine große Rolle bei der Berufswahl gespielt. Früh engagierte sich die junge Frau in der Jugendarbeit, wollte in diesem Bereich arbeiten. Das Schicksal wollte es aber zunächst anders.

Schwanger mit 17 – und die Zukunftspläne änderten sich

Nadine Polenz war 17 Jahre alt, hatte gerade ihren erweiterten Realschulabschluss in der Tasche und ein Stipendium in Aussicht: Ein Jahr Vereinigte Staaten. „Zwei Wochen vor Abflug erfuhr ich dann, dass ich schwanger bin“, erzählt sie. Anfangs sei es ein Schock gewesen, war die bisherige Lebensplanung doch plötzlich hinfällig. Nadine Polenz musste neue Pläne schmieden. Ganz selbstbewusst. 2002 begann sie eine dreijährige Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Standortverwaltung der Bundeswehr in Jever und arbeitete anschließend ein Jahr lang in diesem Beruf. „Das war für mich als junge Mutter eine große Chance.“ Aufgrund der Arbeitszeiten sei es leichter gewesen, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen. Der Traumberuf sollte es aber nicht werden. „Die ganze Zeit am Schreibtisch, das ist nichts für mich.“

Nadine Polenz kündigte deshalb und widmete sich zunächst ganz dem Familienleben. Das soziale Engagement aber blieb. Sie  jobbte in Jugendzentren, Kindertageseinrichtungen und in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. In einer Einrichtung traf sie auf eine Kollegin, die als junge Mutter in einer ganz ähnlichen Situation war. „Wir haben uns Mut gemacht und gemeinsam die Ausbildung begonnen.“

In Worpswede wird Nadine Polenz als Kinderdorfmutter eine Gruppe leiten. In den zwölf Einfamilienhäusern leben jeweils bis zu fünf Kinder in den kleinen Häusern des Dorfes. Die Mitarbeiter leben ebenfalls im Dorf. Als erstes sprach Nadine Polenz deshalb mit ihrer eigenen Tochter Nelia über die neue Arbeit. „Dann sind das alles meine Geschwister“, habe Nelia gesagt.

Quelle: Stephan Giesers, Wilhelmshavener Zeitung

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