Zeitmanagement der Spitzenklasse

Seit 2001 lebt Doris Ullrich gemeinsam mit sechs Kindern

Um halb sechs morgens klingelt der Wecker von SOS-Kinderdorf-Mutter Doris Ullrich. Ihr erster Weg führt die ehemalige Versicherungskauffrau in die Küche: Frühstück zubereiten und Pausenbrote schmieren steht auf dem Plan, den sich die Erzieherin in den vergangenen Jahren zusammengestellt hat. "Um die Hektik am Morgen zu umgehen, stehe ich lieber einige Minuten früher auf", lacht Doris Ullrich. "Außerdem kann ich dann noch einen Blick in die Zeitung werfen, bevor ich die Kinder wecke."

Seit 2001 lebt Doris Ullrich gemeinsam mit sechs Kindern in einem der Familienhäuser im SOS-Kinderdorf Sauerland in Lüdenscheid. Für sie war die Entscheidung, SOS-Kinderdorf-Mutter zu werden ein Schritt in ein neues Leben: "Meine Familie war sehr materialistisch veranlagt, das hat mir irgendwann nicht mehr gefallen. Mein Leben ist jetzt 'weicher' geworden, gefühlvoller." Aufregend ist der Tagesablauf aber trotzdem. "Als ehemalige Agenturleiterin habe ich Organisieren gelernt. Unser Familienkalender sieht aus wie bei einem Manager", lacht die Vollzeit-Mutter. "Turnen, Schwimmen, Fördergruppen, jedes Kind hat andere Termine".

Rituale sind wichtig

Da ist es wichtig, klare Strukturen und Abläufe einzuhalten". Und Rituale. Jeden Abend vor dem Schlafen erzählt Doris Ullrich ihren Schützlingen jeweils eine eigene, ganz persönliche Gute-Nacht-Geschichte. Für die Kinder sind diese festen Abläufe besonders wichtig. Sie kommen meist aus zerrütteten Familien, die Eltern können sich aus verschiedenen Gründen nicht mehr um sie kümmern. Der Kontakt zu den leiblichen Eltern wird allerdings aufrecht erhalten.

"Ich sehe mich keinesfalls als Mutterersatz, sondern vielmehr als Familien-Ergänzung. Vor einigen Wochen hat der Vater beispielsweise für die Kinder gekocht, das war sehr harmonisch", erzählt Doris Ullrich, die nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin auch eine Zusatzausbildung zur Sozialtherapeutin absolviert hat.

Das soziale Netzwerk gibt Halt

Dennoch bleibt die SOS-Kinderdorf-Mutter die wichtigste Bezugsperson im Leben der Kinder. "Ich bin da, wenn die Kinder traurig sind, ihren ersten Liebeskummer haben oder sich über eine gute Note in der Schule freuen." In ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern wird jede SOS-Kinderdorf-Mutter von Sozialpädagogen und Erziehern unterstützt. Die Kinder lernen durch das soziale Netzwerk im SOS-Kinderdorf, wieder Vertrauen zu fassen: "Auch wenn ich mir eine Auszeit gönne oder in Urlaub fahre, sind die Kinder nie alleine. Sie können sich immer auf ihr SOS-Kinderdorf verlassen".

Quelle: Markus Rinke/wdr.de

Seite drucken

© SOS-Kinderdorf e.V.