Joachim Merchel

"Familienähnlichkeit" als Qualitätsmerkmal? Zur Notwendigkeit eines reflektierten Umganges mit familienanalogen Konzepten

Beschreibung

Eine familienähnliche Struktur gilt in der Heimerziehung vielfach als eine günstige Voraussetzung, um eine den Bedürfnissen des Kindes angemessene Form des Zusammenlebens zu schaffen und dementsprechend erfolgversprechende pädagogische Arbeit zu gestalten. Familienähnlichkeit wird im Alltag der Erziehungshilfen bisweilen so selbstverständlich als ein positives Strukturprinzip akzeptiert, dass kaum noch gefragt wird, welche Erfolgschancen man sich von ihr im Vergleich zu anderen Betreuungssettings verspricht.

Joachim Merchel beleuchtet kritisch die unterschiedlichen Strukturmerkmale familienanaloger Betreuungsarrangements und insbesondere die mit ihnen verknüpften Qualitätserwartungen. Im Vordergrund der Untersuchung steht dabei die Problematik, die sich für die Beteiligten aus der unauflösbaren Spannung zwischen Privatheit des Lebensrahmens einerseits sowie Institutionencharakter der Erziehungshilfe andererseits ergibt.

Nachdrücklich fordert der Autor einen reflektierten Umgang mit dem Merkmal der "Familienähnlichkeit“ als Qualitätskriterium bei familienanalog strukturierten Einrichtungen. Nur dann können auch die Chancen, die familienähnliche Betreuungsformen eröffnen, für eine auf gelingenden Beziehungen aufbauende Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in der Erziehungshilfe genutzt werden.

Autoren

Prof. Dr. Joachim Merchel

Jahrgang 1953, Dr. phil., Diplompädagoge, Professor für das Fach „Organisation und Management“ und Leiter des weiterbildenden Verbundstudienganges „Sozialmanagement“ an der Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen. Arbeitsschwerpunkte: Sozialmanagement, Trägerstrukturen in der Sozialen Arbeit, Jugendhilfe mit Schwerpunkt Erziehungshilfe, Qualitätsmanagement. (Stand der Veröffentlichung 2003)

Seite drucken

© SOS-Kinderdorf e.V.