Norman van Scherpenberg

Gesellschaftliche Finanzierungsmodelle

Beschreibung

Bislang ist es in sozialpolitischen Denkansätzen die Regel, dass Probleme und Aufgaben sorgfältig definiert und dann professionell gelöst werden. Das geht einher mit einer Spezialisierung auf Teilbereiche, die – auch aus Gründen der Kostenkontrolle – unter anderem ein permanentes Bemühen um Rationalisierung nach sich zieht. Dieser Trend hat jedoch zur Folge, dass häufig der Blick für wesentliche Zusammenhänge und Wechselwirkungen verloren geht. Vor diesem Hintergrund kann die Idee der Mütterzentren trotz deren mittlerweile langjährigen Praxis noch immer als ein neuer Denkansatz zur Lösung sozialer Probleme unserer Zeit angesehen werden.

Im Kontext seiner praxisbezogenen Empfehlungen zur Finanzierungsstruktur von Mütterzentren veranschaulicht der Verfasser, inwiefern mit ihnen ein Einrichtungstypus geschaffen wurde, der einen wichtigen Lösungsansatz für verschiedene dieser gesellschaftlichen Probleme darstellt: In Mütterzentren werden an das Geben und Nehmen und die Leistungsbeziehungen gerade nicht die strikten Anforderungen der Leistungsgesellschaft gestellt, und es werden weder die sonst übliche Professionalität noch die zur Gewährleistung einer angemessenen Vergütung nötige Effizienz gefordert. Dies ermöglicht es, auch Menschen in den Leistungskreislauf einzubeziehen, die in unserer Gesellschaft sonst vor der Tür stünden. Das bedeutet, dass hier im Zusammenwirken von der Gemeinschaft Leistungen erbracht werden, die üblicherweise das Ergebnis gezielter professioneller Arbeit sind und normalerweise in das Abrechnungsverfahren unserer sozialen Sicherungssysteme eingehen.

Engagiert und überzeugend plädiert der Autor für die Schaffung weiterer Institutionen, die zwar in ihrer Leitung und Struktur Professionalität gewährleisten, zugleich aber auch der nichtprofessionellen Leistung Raum geben.

Autoren

Dr. Norman van Scherpenberg

Jg. 1938; Diplomvolkswirt, verheiratet, drei Töchter. Studium in Köln, Hamburg, Bonn. 17 Jahre in verschiedenen Aufgaben in Unternehmen des BASF-Konzerns. 1983 bis 1990 Staatssekretär im niedersächsischen Finanzministerium; 1990 bis 1994 Direktor, ab 1992 Generalbevollmächtigter bei der Treuhandanstalt in Berlin; 1995–1997 stellvertretender Generalkommissar für die Weltausstellung Expo2000 Hannover; seit 1997 freier Autor, Dozent und Berater. (Stand der Veröffentlichung 2000)

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