Heiner Keupp

Produktive Lebensbewältigung in den Zeiten der allgemeinen Verunsicherung

Beitrag aus SOS-Dialog 1996

Beschreibung

Die Frage, welche Risikolagen und Möglichkeitsräume am Ende des 20. Jahrhunderts unseren Alltag bestimmen, wird vielerorts sehr engagiert diskutiert. Heiner Kneupp schildert, basierend auf der Überlegung, mit welcher Legitimation Strukturen und Konzepte aus Westdeutschland überhaupt zur Grundlage einer neuen gesamtdeutschen Wirklichkeit erklärt werden können, eine Reihe von Defiziten, welche die Sozialisationsbedingungen in der alten Bundesrepublik bei Kindern und Jugendlichen hinterlassen haben. Dabei bezieht er sich insbesondere auf diejenigen Formen produktiver Lebensbewältigung, die unter den gegenwärtigen Lebensbedingungen einer soziokulturellen Umbruchphase erforderlich und möglich sind.

Wie erleben und verarbeiten Subjekte diese Umbrüche und welche neuen Kompetenzen werden von ihnen gefordert? Wie müssen unsere Handlungskonzepte weiterentwickelt werden, um Kinder und Jugendliche bei einer produktiven Lebensbewältigung unterstützen zu können?

Der Autor schildert die Risiken einer zunehmend enttraditionalisierenden Gesellschaft, in der die Bewältigungskapazitäten von Kindern und Jugendlichen zum Teil überstrapaziert werden. Hinzu kommen die Konsequenzen der wachsenden Komplexität von Lebensverhältnissen. In diesem Zusammenhang hebt der Verfasser insbesondere die sozialen und psychischen Bedingungen hervor, die für eine produktive Nutzung der riskanten Chancen der gegenwärtigen Lebenssituation von wesentlicher Bedeutung sind. Sie können und sollten folglich als Zielorientierungen für die psychosoziale Arbeit dienen.

Autoren

Prof. Dr. phil. Heiner Keupp

Jahrgang 1943, Psychologe; von 1978 bis 2008 Professor für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Universität München und Gastprofessor an den Universitäten in Innsbruck und Bozen; Vorsitzender der Kommission für den Dreizehnten Kinder- und Jugendbericht. Arbeitsschwerpunkte: soziale Netzwerke, gemeindenahe Versorgung, Gesundheitsförderung, Jugendforschung, individuelle und kollektive Identitäten in der Reflexiven Moderne, Bürgerschaftliches Engagement. (Stand der Veröffentlichung 2010)

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