Theo Wedding

Über den Versuch, die Heile Welt zu erhalten

Beitrag aus SOS-Dialog 1996

Beschreibung

Theo Wedding berichtet über seine Arbeit in einer Beratungsstelle auf dem Land. Er erzählt von den alltäglichen Problemen im Spannungsfeld zwischen ländlicher Idylle und den Konfliktherden, die unter der Oberfläche schon seit Generationen brodeln. In der Beratungsstelle geht es häufig um die Frage, wie offen Familien in ihrem Lebensumfeld ihre Probleme zeigen und inwieweit sie Hilfe in Anspruch nehmen "dürfen“. Mit ihrem integrativen Ansatz ist es Ziel der Beratungsstelle, dieser spezifischen Konfliktsituation durch eine gemeinwesenorientierte Herangehensweise zu begegnen. Denn nicht selten liegen hinter dem tabuisierenden "Es ist alles in Ordnung“ Probleme und Krisen, die von den Bewohnern der ländlichen Gemeinde in ihrem sozialen Umfeld für nicht existent oder möglich gehalten werden, beispielsweise Suizid oder sexueller Missbrauch. Gelangen diese aber gegen alle Widerstände an die Oberfläche, wird mit aller Kraft versucht, sie zu vertuschen − so lange, bis sie eines Tages krisenhaft eskalieren.

Der Autor erläutert, warum den Angeboten der Beratungsstelle ein präventiver Arbeitsansatz zugrunde gelegt wurde und beschreibt diese anschaulich. Das Einrichtungsspektrum umfasst verschiedene Angebote von pädagogisch-psychologischen Veranstaltungen bis zu offenen, niedrigschwelligen Angeboten. Vorgehensweise der Beratungsstelle ist es einerseits, der Eskalation von Konflikten zuvorzukommen, und andererseits therapeutisch in einem Spannungsfeld von Begrenztheit und Möglichkeit, von Unabänderlichem und Machbarem, zu wirken, Prozesse anzuregen und begleitend die schöpferischen Ressourcen des Einzelnen zu mobilisieren.

Autoren

Theo Wedding

Jahrgang 1948, Staatsexamen in Theologie und Physik, leitet die SOS-Beratungsstelle Schieder, nachdem er lange als Gymnasiallehrer tätig war. Zusatzausbildungen in Familien-, Ehe-, Lebensberatung und in Musiktherapie. (Stand der Veröffentlichung 1996)

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